Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

Name und Botanik

Echte Kamille: Kamillle, FeldkamilleMatricaria chamomilla (syn.: Chamomilla recutita)

– Asteraceae (Korbblütler) –einjährig

Matricaria chamomilla

Biologie

Aufkommen: Aus Kultur (die lange eingebürgerte Kamille stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum)
Hauptanbauländer: Ungarn, Ägypten, Argentinien, Spanien, Türkei
Allgemeines: Im Unterschied zu den anderen Kamillenarten (z.B. Römische Kamille) hat die Echte Kamille kegelige und hohle Blütenköpfchen mit dem typischen apfelartigen Kamillengeruch.
Wuchshöhe: Bis zu 50 cm hohe Stängel bei wilden Pflanzen, bis zu 80 cm bei den Kulturpflanzen
Blütezeit: Beginn im Mai / Juni

Anbau

Boden und Lage / Standortansprüche:

Kamille besitzt eine große ökologische Streubreite…

Bevorzugt: neutrale bis alkalische Böden
warme Witterung
mäßig feuchte Standorte
Klima: Unterschiedliche Klimate wirken sich auf den Ertrag, aber kaum auf den Gehalt und die Zusammensetzung des ätherischen Öls aus.
Frostempfindlichkeit: Kamille ist winterhart im Rosettenstadium, aber empfindlich gegenüber Frost im Frühjahr nach dem Austreiben. Die Folge ist ein stark verringerter Blütenansatz.
Sorten: Je nach Herkunft unterscheidet man bei Handelsware verschiedene chemische Typen:
Bei den meisten europäischen Herkünften überwiegt im ätherischen Öl das Bisabololoxid A, weshalb diese auch „chemischer Typ A“ bezeichnet werden. Analog dazu überwiegt bei Typ B das Bisabololoxid B (argentinische Herkünfte) und bei Typ C das Bisabolol (spanische Herkünfte). Ferner unterscheidet man noch zwischen Bisabolonoxid A-Typen (türkische Herkunft), matricinfreien bzw. –armen Typen (Ägypten oder Türkei) und dem chemischen Typ D (uniformer Typ), bei dem keiner der Bestandteile überwiegt.
In den letzten Jahren wurde Kamille verhältnismäßig umfangreich züchterisch behandelt. Zuchtziel waren Pflanzen mit festem Blütenkopf, gleichmäßigem Blühhorizont, hohem ätherischen Ölgehalt und wünschenswerter chemischer Zusammensetzung alpha-bisabolol- und chamazulenreich).
Fruchtfolge: An die Vorfrucht stellt die Kamille keine Ansprüche, ausgefallene Samen können jedoch in der Nachfrucht Schwierigkeiten bereiten.
Kamille ist selbstverträglich.
Saat / Pflanzung: Anbau der Kamille durch Aussaat – 2 Möglichkeiten:

a. Natürliche Vermehrung Die bei der maschinellen Ernte an den Pflanzen verbleibenden Köpfchen reifen ab und sorgen für eine natürliche Vermehrung.
Nachteil: es ist mit Ertragsdepressionen zu rechnen
b. Aussaat frischen Saatguts Ein mehrmaliger Anbau auf demselben Feld mit frischem Saatgut ist wegen der Selbstverträglichkeit der Kamille wenig problematisch.

Aussaat frischen Saatguts: der Zeitpunkt des Kamillenanbaus beeinflusst die Erträge…

Herbstanbau (Ende August, Anfang September) Frühjahrsanbau
Erträge: am ertragreichsten i.d.R. niedrigere Erträge, bei allerdings höherem Einzelblütengewicht
Zu beachten: früherer Anbau führt zu vorzeitigem Schossen mit Auswinterungsgefahr, später zu ungleichen Beständen

 

Allgemeines:
TKG: 0,02 – 0,05 g
Keimfähigkeit: auf dem Lager 2-3 J., im Boden 10 – 15 J.
Obwohl Kamille eine überwinternde Art ist, braucht sie zur Keimung keine Frosttemperaturen

Kamille ist ein Lichtkeimer
Aussaat:
Saatbeetvorbereitung:
Wegen des winzigen Samens muß das Saatbeet sehr fein hergerichtet und rückverfestigt werden. Es sollte frei von Ernterückständen der Vorfrucht sein.
Als vorteilhaft hat sich die oberflächliche Ablage in seichte Rillen erwiesen (vermindert auch Windverdriftung)
Reihenabstand: 30 – 35 cm
in manchen Gebieten auch enger empfohlen (12 – 15 cm)
Saatstärke:
reines Saatgut 1 – 2 kg/ha (bei hoher Keimfähigkeit und optimalen Bedingungen weniger)
mit Röhrenblüten: 3 – 4,5 kg/ha
Nachbearbeitung: Anpressen des Saatguts mit einer Cambridgewalze empfehlenswert (besserer Bodenschluss, geringere Verblasung).
NICHT mit Erde bedecken (Lichtkeimer)
Keimung / Auflaufen: innerhalb einer Woche
Pflege:
Pflanzenschutz:
Empfehlenswert bei Herbstanbau: Eine Maschinenhacke nach dem Auflaufen und eine im darauf folgenden Frühjahr – denn trotz langsamer Anfangsentwicklung bildet Kamille einen üppigen, dichten Bestand
Krankheiten und Schädlinge:
Falscher Mehltau (Plasmopara leptosperma) am Blatt
Alternaria sp. am Blatt
Fusarium sp. an der Wurzel
Kamillenglattkäfer (Olibrus aeneus) frisst an Blütenköpfen
Diverse Blattläuse (z.B. Aphis fabae) saugen an Blüttern und Trieben
Düngung:
Geringer Nährstoffbedarf:
Da der Nährstoffbedarf nicht sehr hoch ist, gedeiht Kamille auch auf mäßig versorgten Böden ausreichend. Insbesondere hohe Stickstoffgaben würden ein unerwünschtes Krautwachstum fördern. Dementsprechend niedrig ist auch der Düngebedarf:
N 30-50 kg in zwei Gaben
P2O5 30-50 kg
K2O 80-100 kg
Bei ausreichender Bodenversorgung wird in manchen Gebieten auf eine Düngung ganz verzichtet
Zusammenhang Nährstoffversorgung / Chemische Zusammensetzung:
Der Gehalt an ätherischem Öl wird durch Düngung kaum beeinflusst, wohl aber dessen Zusammensetzung.
Stickstoff und Kali haben wegen ihrer unterschiedlichen Wirkung auf den Entwicklungszustand auch Auswirkungen auf den Gehalt an Bisaboloiden.
Ernte, Aufbereitung, Erträge:

Haupternteprodukt: Die blühenden Köpfchen.

Ernte von Blütenware:
Methode: Kamillenpflückmaschinen (seit einigen Jahren in Osteuropa, Italien, Argentinien)
Pflückleistung: 250 kg/h, Tagesleistung bis 3,5 ha
Qualität maschinell gepflückter Ware wird nicht beeinträchtigt, auch wenn die Blüten mehr oder weniger lange Tiele aufweisen (> 2 cm) (allerdings werden in Arzneibüchern noch immer praktisch stängelfreie Blüten verlangt)
Ernte von Hand oder mit Pflückkämmen ist aus Kostengründen nicht vertretbar.
Erntezeitpunkt: Wenn der Rörhenblütenkranz bereits im zweiten Drittel des gewölbten Blütenbodens offen ist
ACHTUNG: je weiter die Blüte fortschreitet, desto geringer wird der Gehalt an ätherischem Öl und an Chamazulen. Späte Ernte kann auch zum Zerfall der Blütenköpfchen führen.
Alternativen:
Zur Teebeutelherstellung: Ernte des blühenden Krauts (Vollblüte) mit dem Mählader
Für Gewinnung ätherischen Öls: Abmähen der Blütenköpfchen. Nach der Ernte der Hauptblüten treiben erneut Blütenstiele aus, die nach einiger Zeit geerntet werden können.
Trocknung:
Vorbereitung: Sichten des Erntegutes mit 7-12 mm Sieb (geringere Trocknungskosten, saubere Ware)
Temperatur und Dauer: 35-45°C, bei guter Luftführung ca. 24 Std.Trocknungsdauer
Zu beachten: Schütthöhe sollte insbesondere bei Flächentrocknung gering sein, um eine rasche und gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten.
Angestrebe Endfeuchte: 7-10 % (v.a. Blütenboden muss ordentlich getrocknet sein)
Erträge:
Frisches Kraut:
40 – 80 dt/ha (je nach Krautanteil)
Frische Blüten:
20 – 25 dt/ha, ca. 0,04% ätherisches Öl
Trockene Kamillenblüten: 500 – 800 kg/ha, ca. 1% ätherisches Öl
Samenertrag: 150 kg/ha
Gewinnung ätherischen Öls aus den Blüten:
Der Gehalt der Blütenköpfchen und dementsprechend auch der Ertrag an ätherischem Öl schwankt stark mit den Witterungsverhältnissen. Mittags geerntete Blütenköpchen enthalten mehr ätherisches Öl.
Das ätherische Öl ist nach Umwandlung von Prochamazulen in Chamzulen während der Destillation dunkelblau, manchmal grünlich oder bräunlich.
Der Ertrag an ätherischem Öl liegt bei 1,5 – 4 l/ha.

Nutzung

in der kosmetischen Industrie: Hautsalben, Zahnpasten, Haartinkturen (Blondfärbung), etc.

als Heilpflanze:

 

Wirkstoffe:
Therapeutisch wirksam ist v.a. das ätherische Öl, das entzündungshemmend und wundheilend wirkt. Die wirksamen Verbindungen des ätherischen Öls ( 0,4-1,5 % in den Blütenköpfchen) gehören zu den cyclischen Sesquiterpenen (Chamazulen und Bisabolole) und Polyinen.
Chamazulen > 7 % im Öl
Verleiht dem ätherischen Öl seine dunkelblaue Farbe. Es wird aber erst während der Destillation aus Proazulenen (Matrizin) gebildet.
Bisabolole alpha-Bisabolol (30-40 % im äther.Öl), in geringerem Ausmaß Bisabololoxide
Neben dem ätherischen Öl werden auch Flavonoide (> 2,3 %), Flavone (Apigenin, Luteolin) und ihre Glycoside als wirksam angesehen.
Wirkung: Entzündungshemmend, antineuralgisch (schmerzlindernd), krampflösend, verdauungsfördernd, beruhigend
Verwendung: Besonders bei Entzündungen des Hals-, Nasen- und Rachenraumes, bei Hautreizungen und Ekzemen und bei Krämpfen im Magen-Darm-Trakt werden Teeaufgüsse der Blütenköpfchen von Kamille eingesetzt.

Vorsicht: Kamille kann allergische Reaktionen hervorrufen.
Quelle:
Dachler / Pelzmann: Arznei- und Gewürzpflanzen