Zukünftige
Verwendungsmöglichkeiten des Rohstoffs Zucker in der Industrie
Zukünftige Verwendungsmöglichkeiten
des Rohstoffs Zucker in der Industrie standen im Mittelpunkt des Fachgesprächs
zu niedermolekularen Kohlenhydraten in technischen Anwendungen. Vertreter aus
Industrie und Wissenschaft trafen dazu auf Initiative der Fachagentur nachwachsende
Rohstoffe e.V. (FNR) am 11./12. Mai in Braunschweig zusammen.
Zucker als niedermolekulares Kohlenhydrat dient der Industrie heute vor allem
als Hilfsstoff bei der Herstellung von Kunststoffen oder für chemische Zwischenprodukte.
Mit 57.000 Tonnen verarbeitet sie jedoch nicht einmal zwei Prozent der in Deutschland
verwerteten Zuckermenge. Der Großteil des Rohstoffs wird nach wie vor als Nahrungsmittel
eingesetzt, obwohl er der Chemie vielfältige Verwendungsmöglichkeiten bietet.
Um diese Chancen besser wahrzunehmen, diskutierten Wissenschaftler und Vertreter
der Industrie neue Anwendungsfelder des Kohlenhydrats und berieten zukünftigen
Forschungsbedarf.
Für die Herstellung von Tensiden für Waschmittel wird Zucker erst seit kurzem
eingesetzt. Aufgrund seiner biologischen Abbaubarkeit bieten sich in diesem
Anwendungsfeld ebenso neue Perspektiven wie für die Kunststoffproduktion. Ob
als Rohstoff oder als Additiv wie zum Beispiel als Weichmacher: Zuckerderivate
sind wesentlich vielseitiger einsetzbar als bisher praktiziert.
Ähnlich ist es in der Werkstoffherstellung: mit Zucker lassen sich ganz andere
Eigenschaften der Polymerwerkstoffe erzielen als mit fossilen Rohstoffen. Ihre
Vorteile gilt es auszuloten und neue Anwendungsbereiche zu erobern.
Verwendungsmöglichkeiten mit hoher Wertschöpfung bietet nach Ansicht der Tagungsteilnehmer
nicht zuletzt die Spezial- und Feinchemie. Praxisorientierte Arbeiten sind auch
in diesem Bereich nötig - immer flankiert von grundlagenorientierter Forschung,
darüber waren sich die Experten einig. An der Verbesserung der chemischen und
biotechnologischen Einstiegsreaktionen für Zucker soll dabei ebenso gearbeitet
werden wie an der Entwicklung neuartiger Polymerwerkstoffe.
Quelle: Pressemitteilung der FNR im Mai 1999