Auswahl biologisch abbaubarer
Thermoplaste und deren Eigenschaften
Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) auf Stärkebasis
Verzeichnis der zugelassenen Werkstoffe für die Herstellung von zertifzierten
Produkten aus kompostierbaren Werkstoffen
Presseinformation der CARMEN zu BAW und ihrer Publikation: Biologisch abbaubare
Werkstoffe - Leitfaden & Produktkatalog
Kunststoffe sind Werkstoffe aus organischen Makromolekülverbindungen (Polymere). Ihre Eigenschaften hängen von ihrer Molekülstruktur und dem Grad ihrer Molekülvernetzung ab, erst in zweiter Linie von ihrer chemischen Zusammensetzung. Kunststoffe werden durch Umwandlung von makromolekularen Naturprodukten oder durch Synthese aus niedermolekularen Substanzen hergestellt. In der Regel sind Kunststoffe künstliche, auf Erdöl basierende Polymere. Die Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe auf Basis Nachwachsender Rohstoffe ist noch sehr jung.
Kunststoffe werden nach ihrem physikalischem Verhalten unterschieden in:
Unterscheidung nach Herkunft:
| Kunststoffverbrauch | ca. 110 Mio. Tonnen jährlich in Industriestaaten (geschätzt) | |
| ca. 7 Mio. Tonnen in Deutschland | ||
| davon ca. 1.4 Mio. t kurzlebige Verpackungen | ||
| seit den 80iger Jahren steiler Anstieg | ||
| Einsatzgebiete von Kunststoffen | |
| Bausektor |
25
%
|
| Verpackungssektor |
21
%
|
| Elektro- und elektrotechnische Industrie |
15
%
|
| Klebstoffe, Farben, Lacke |
10
%
|
| Fahrzeugindustrie |
7
%
|
| Möbel, Einrichtungen |
5
%
|
| Landwirtschaft |
4
%
|
| Haushaltswaren |
2,5
%
|
| übrige |
15
%
|
| Quelle: C.A.R.M.E.N. (1997) | |
Der hohe Kunststoffverbrauch bringt u.a. ein immenses Abfallaufkommen, für das in Deutschland kaum noch Deponieraum zur Verfügung steht.
Spätestens seit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes 1996 gewinnen biologisch abbaubare Werkstoffe zunehmend an Bedeutung. Der Bundestag hat am 29.5.98 die Verpackungsverordnung verabschiedet. Darin werden die Hersteller von kompostierbaren Verpackungen bis zum Jahr 2002 von der flächendeckenden Rücknahmeverpflichtung befreit.
Das Recycling von Kunststoffen
auf fossiler Basis ist ökonomisch und ökologisch umstritten. Es wird in Deutschland
durch das Duale System Deutschland (DSD) organisiert (Grüner Punkt). Die Kosten
werden mit ca. 3DM/kg (DSD-Gebühren) beziffert.
Biologisch vollständig abbaubare Werkstoffe auf Basis Nachwachsender Rohstoffe
können dagegen ökonomisch und ökologisch sinnvoll kompostiert oder z.B. vergoren
(Biogas) werden. Die biologische Abbaubarkeit ist in ihrer molekularen Zusammensetzung
begründet. Es entstehen Kohlendioxid, Wasser und Biomasse, deren Nährstoffe
z.B. über den Kompost wieder in den Nährstoffkreislauf eingebracht werden können.
Nachwachsende Rohstoffe für ihre Herstellung sind z.B.
BAW sind kunststoffähnliche Werkstoffe. Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen (meist Stärke oder Zucker) oder fossilen Rohstoffen (Erdöl) hergestellt. Oft handelt es sich um Mischungen.
Im Bereich der Kunststoffchemie ist Stärke in verschiedenen Gebieten einsetzbar. Dabei wird die natürliche polymere Molekülstruktur der Stärke genutzt.
Vermischung mit
künstlichen Polymeren:
Vorbehandelte Stärkte wird z.B. mit Polyethylen im Extruder vermischt. Anwendung
findet dieses Verfahren etwa bei der Herstellung von Tragetaschen. Das Material
kann biologisch zersetzt werden und durch verschiedene Zusätze auch photochemisch
angegriffen werden.
Sorbit, Produkt aus der Stärkeverzuckerung findet in der Polyurethanherstellung Verwendung.
Einsatz als Copolymer:
Unter bestimmten Bedingungen und Verwendung von Katalysatoren kann Stärke mit
synthetischen Polymeren (z.B. Polyethylen, Polypropylen) chemische Verbindungen
eingehen.
Einsatzbereiche sind zum Beispiel:
Stärkederivate:
Hydroxylgruppen entlang der Polymerketten der Stärke werden von verschiedenen
reaktiven Gruppen (z.B. Ethylenoxid) derivatisiert. Je Monomereinheit besitzt
Stärke drei freie Hydroxylgruppen. Derzeitiger Stand der Technik ist ein Derivatisierungsgrad
(DS) von maximal 1. Angestrebt werden höhere Grade. Bei DS von ca. 2,5 kann
das Stärkederivat thermoplastische Eigenschaften erreichen.
siehe auch Forschungsförderung Stärke
Thermoplaste:
Reine Stärke kann als Pulver zusammen mit Weichmachern wie Glycerin
oder Sorbit im Spritzgußverfahren oder im Extruder
verarbeitet werden. So entstehen z.B. Medikamentenkapseln oder Verpackungschips.
Durch "backen" in modifizierten Waffelautomaten werden vielfältige
Formteile (Tassen, Teller) hergestellt.
Problematisch sind die Wasser- und Temperaturempfindlichkeit des Rohstoffs sowie
die Anfälligkeit gegen Mikroorganismen. Diese Problematik führte zur Entwicklung
von
Stärkeblends:
Verbindung von thermoplastischer Stärke mit synthetischen BAWs (z.B. Polyvinylalkohol) oder mit abgewandelten Naturprodukten ("Biokunststoffen" z.B. Zelluloseacetat). (Handelsnamen "Mater Bi" (Fa. Novamont, I) oder "Bioflex").
Der Stärkeanteil kann bis zu 70 % betragen. Das Material ist weiterhin biologisch abbaubar und je nach Materialstärke und eingesetzten Hilfsmitteln kompostierbar.
Die Blends lassen sich zu Formteilen oder Folien verarbeiten. Sie gleichen in vielen Eigenschaften Polyethylen.
Wirtschaftlichkeit: Die Stärkeblends sind aufgrund der teuren synthetischen Zusatzstoffe vier bis sechsmal teurer als Massenkunststoffe (1,50 - 2,00 DM/kg).
Entwicklungsziel: Höherer Stärkeanteil, Entwicklung billigerer synthetischer BAWs
Geschäumte Stärke:
Stärkekleister wird aufgeschäumt und verfestigt. Dies geschieht z.B.
in einem Extruder, eventuell unter Zusatz von Treibmitteln. Beim Austritt aus
der Extruderdüse wird die Masse aufgebläht und aufgeschäumt und verfestigt gleichzeitig.
Nach Konditionierung auf einen bestimmten Feuchtegehalt (zur Sicherung der Stabilität)
kann der Stärkeschaum weiterverarbeitet werden.
Ein Anwendungsgebiet ist vor allem der Verpackungsbereich mit Stärkeschaumchips
(Loose-Fill). Stärke-Loose-Fill besitzt eine Schüttdichte von 10-30 kg/m³ und
ähnelt damit Styroprchips.
Aus geschäumter Stärke können in modifizierten Waffelbackautomaten Formteile wie Essgeschirr gebacken werden. Dabei werden dem "Teig" geringe Anteile z.B. von Zellulose und evt. Farbe zugemischt. Die Produkte sind wärmisolierend und relativ stoßfest und fettbeständig. Die Wasserbeständigkeit kann durch Sperrschichen (z.B. Bienenwachs) erhöht werden.
Fermentative Produktion
von Biopolymeren:
Stärke als Kohlenstoffquelle für Mikroorganismen, die Biopolymere produzieren.
Beispiele:
- Pollulan (durch Plize) für Folien im Lebensmittelbereich
- Xanthan (durch Bakterien) im Lebensmittelbereich
- Polyhydroxy-Buttersäure (durch Bakterien)
- Milchsäure (durch Bakterien)
siehe auch unter Zucker
Quelle: Bericht des Bundes und der Länder über Nachwachsende Rohstoffe (1990), C.A.R.M.E.N. (1997)