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Flachsanbau steckt
noch in den Kinderschuhen
Viele
Agrarbetriebe bestellen seit einigen Jahren einen Teil ihrer Felder wieder
mit nachwachsenden Rohstoffen. Doch der Anbau ist nicht so einfach, wie
es anfangs viele Landwirte glaubten.
Kühle Sommerwitterung und dazu viel Regen, wie im Erzgebirge,
sind ein nahezu ideales Klima für den Flachs. "Früher hatte
fast jeder Bergbauer etwas Faserlein auf seinen Feldern stehen" erzählt
Christian Gorldt, verantwortliches Vorstandsmitglied für die Pflanzenproduktion
in der Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz e.G. Er ist
seit 42 Jahren im Betrieb. In der DDR wurde bis 1974 die Faserpflanze
angebaut. Dann waren die Verarbeitungsmaschinen zu alt. Neuinvestitionen
lohnten sich nicht. Die Chemiefaser hielt ihren Einzug. Der kam der Anbau
erstmal zum Erliegen.
Seit nunmehr sechs Jahren hat der Flachs, der für die Kurzfaserproduktion
verwendet wird, wieder Bedeutung für die Clausnitzer.
Lange Anbaupause macht gesund
Der Betrieb bewirtschaftet fast seine gesamte Fläche (außer
den Kartoffelacker) mit der kostensparenden, pfluglosen Bodenbearbeitung,
was sich auch positiv auf das Wachstum und den Ertrag von Faserlein auswirkt.
Im zeitigen Herbst nach dem Stoppelsturz – vor dem Rohstoff steht meist
Getreide auf den Feldern – können Unkräuter und Ausfallgetreide
ungestört auflaufen, um dann im Spätherbst mit Roundup behandelt
(totgespritzt) zu werden. So schützt die bedeckende Mulchschicht
im Winter den Boden vor Erosion.
Die Clausnitzer bringen ab Mitte April den Flachs mit der Kreiselegge
und aufgebauter Drillmaschine in die Ackerkrume. Mit einer äußerst
flachen Aussaat von 0,5 bis 1 cm Tiefe wird der Samen in den Boden gebracht
und unmittelbar danach angewalzt.
Das Korn keimt schon, wenn es nur auf der Erde liegt, betont Gorldt. Innerhalb
von drei bis vier Tagen geht es auf. Da der Landwirtschaftsbetrieb über
eine eigene Tierproduktion verfügt, düngen die erzgebirgischen
Landwirte mit Gülle. Das Problem dabei ist, daß nicht der gesamte
Stickstoff aus der organischen Substanz im Boden sofort umgesetzt wird.
Er bleibt für längere Zeit in der Erde als schwer kontrollierbarer
Nährstoffspeicher erhalten. Damit aber die Faserpflanzen nicht zu
kräftig werden können – was sich negativ auf die Verarbeitung
auswirkt – verzichten die Flachsanbauer schon ein Jahr vorher auf diese
Art der Düngung.
Wird eine Anbaupause von fünf bis sieben Jahren eingehalten, ist
der Flachs relativ resistent gegen Krankheiten und Fungizide sind nicht
nötig.
Gegen das Unkraut wird ein Herbizid gespritzt.
Wenn die Samenkapseln voll ausgebildet sind und eine braune Farbe haben,
die Stengel sich anfangen zu entlauben, dann ist der Flachs reif für
die Ernte. Das geschieht Ende Juli/Anfang August. Zuerst wird er mit einer
speziellen Maschine gerauft. Das heißt, er wird mit den Wurzeln
aus dem Boden gezogen. Dann bleiben die Pflanzen er auf der Erde liegen
und rösten. Pilze und Bakterien in Verbindung mit Sonne und Feuchtigkeit
lösen diesen Prozeß aus. Mit dem Schwadlüfter werden die
Faserpflanzen gewendet und gelüftet, damit der Röstprozeß
gleichmäßig erfolgt.
Eine gute Qualität ist erreicht, wenn der Rohstoff eine grausilbrige
Farbe hat, kein Schimmel gebildet wurde und die Fasern fein und reißfest
sind.
Erst der Verarbeiter trennt die Fasern von den Schäben. Schwierigkeiten
sieht der Pflanzenbauchef vor allem in dieser mehrstufigen und damit langen
Erntephase, die sich über ein bis zwei Monate hinziehen kann. Der
Agrarrohsstoff ist über einen längeren Zeitraum stark von der
Witterung abhängig, was die Qualtiät, die für die Kurzfaserproduktion
im oberen Bereich liegt, beeinträchtigen kann.
Doch nur mit langjährigen Erfahrungen und genauer Arbeit ist solche
erreichbar. Dabei ist auch die Wahl der Sorte wichtig. Gute Erfahrungen
haben die Clausnitzer mit Laura gemacht. Sie bringt die geforderte Qualität
für diese Verarbeitungsschiene. Auch Escalina, Ilona, Viking, Ariane
und Belinka brachten zufriedenstellende Ergebnisse.
Programme fördern den Anbau
Die Agrargenossenschaft ist mit der pfluglosen Bodenbearbeitung am
Sächsischen Förderprogramm umweltgerechte Landwirtschaft mit
Zusatzstufe integriert. Diese Stufe verlangt unter anderem, daß
wenig Stickstoff und keine Halmstabilisatoren eingesetzt werden.
Aus der Beihilfenregelung der Europäischen Union erhält der
Landwirtschaftsbetrieb weitere Unterstützung (siehe Wirtschaftlichkeitsberechung)
für nicht geriffelten, gerösteten Flachs. Ab dem nächsten
Jahr wird diese Flächenbeihilfe allerdings der für Getreide-
und Stillegungsflächen angeglichen und somit etwa halbiert. Dafür
bekommt der Erstverarbeiter einen Zuschuß.
Nicht zuletzt ist für den Flachs eine spezielle Anbautechnik notwendig,
die sehr teuer ist und meist nicht für andere Kulturen eingesetzt
werden kann. Obwohl die Agrargenossenschaft "Bergland" durch
den günstigen Erwerb solcher Maschinen relativ kostensparend wirtschaftet,
wäre ein Anbau ohne die Flächenbeihilfe ein Verlustgeschäft
(siehe Wirtchaftlichkeitsberechnung).
Die Erzeugergemeinschaft Sachsenlein w.G., zu der die Agrargenossenschaft
als einer von zehn Mitgliedern gehört, baut insgesamt 145 ha mit
diesem Rohstoff an.
Faserlein wird in dem gemeinsamen Verarbeitunsbetrieb der Erzgebirgischen
Flachs GmbH. veredelt . Wenn die Anlage einmal richtig läut, so Gorldt,
reicht der Flachs aus den jetzigen Zulieferbetrieben nicht aus, um sie
voll auszulasten. 500 bis 600 ha sind dazu nötig. Ein solcher Umfang
benötigte aber zusätzliche Anbauer.
Die vielen Besonderheiten der Kultur stellen eine Flächenausweitung
in Frage: das hohe Risiko durch die lange Erntephase, zum einen, daher
können nicht mehr Hektar angebaut werden, und die fünf bis sieben
Jahre Anbaupause zum anderen. Um diese Zeit einhalten zu können,
sind größere Anbaugebiete nötig.
Doch noch liegt Flachs aus den vergangenen Jahren in den Lagern.
Optimistisch für die Zukunft
Der Flachserzeuger ist der Meinung, daß sich der Anbau nur
mit der Unterstützung von Fördermitteln lohnt. Was aus Faserlein
gemacht werden kann, hängt sehr stark von seiner Qualität ab.
Den Ansprüchen der Kurzfaserproduktion kontinuierlich gerecht zu
werden, ist schwierig.. Anfangs stellten sich das die Landwirte leichter
vor, erklärt Gorldt.
Die Marktchancen werden für verspinnbare Kurzfasern für textile
Zwecke aber auch vor allem im technischen Bereich (Dämmstoffe und
Verbundwerkstoffe) zunehmend besser. Für die Zukunft ist Gorldt optimistisch.
Er sieht gute Chancen für den Flachs. Der Vorteil, daß die
Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen voll biologisch abbaubar sind,
wird sie überleben lassen.
Bettina Karl
| Wirtschaftlichkeitsberechung*
Flachsanbau (Kurzfaser) |
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| Erträge |
50
dt/ha |
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EU-Beihilfe
(für nicht geriffelten
Flachs) |
1
341 DM/ha |
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| Erlös
aus Ertrag (0,25 DM/kg) |
1
250 DM/ha |
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| Erlöse
insgesamt |
2
591 DM/ha |
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| Direktkosten |
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| Saatgut
|
300
DM/ha |
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| PSM |
120
DM/ha |
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| Arbeit/Lohn |
310
DM/ha |
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| Düngen
|
80
DM/ha |
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| Hagelversicherung
|
10
DM/ha |
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| Arbeitserledigungskosten
|
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| Arbeit/Lohn |
310
DM/ha |
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Maschinenkosten
(Raufen, Lüften, Wenden
Pressen; Transport, Lagerung) |
690 DM/ha |
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| Sonstige
Fixkosten |
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| Pacht |
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| Leitung
und Verwaltung |
180
DM/ha |
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| Summe
|
1
690 DM/ha |
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| Aufwand
für Flachs |
33,80
DM/dt |
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| Überschuß
|
901 DM/ha |
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Anmerkung:
Nicht berücksichtigt wurden Fördermittel aus dem Sächsischen
Umweltprogramm sowie für benachteiligte Gebiete
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*nach Angaben des
Betriebes
Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz e. G.
Clausnitz gehört zu der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle
im Erzgebirge. Der Ort liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze zu
Tschechien entfernt.
Im Jahr 1991 entstand die Agrargenossenschaft aus den beiden ehemaligen
LPG Pflanzenproduktion und Tierproduktion Clausnitz. Die Betriebsfläche
umfaßt 1200 ha Acker- und 800 ha Grünland. Die Vorstandsvorsitzende
Lothar Eckert baute mit der Agrargenossenschaft im Jahr 2000 – mit durchschnittlich
900 mm Niederschläge und im Mittel 25 Boden punkten – Flachs auf
54 ha, Getreide auf 538 ha, Silomais auf 54 ha, Winterraps auf 156 ha,
Ackerbohnen auf 26 ha und Kartoffeln (vorwiegend Pflanzkartoffeln) auf
66 ha an.
Der Rest der Fläche wird mit Feldfutter, zum Beispiel Klee-
und Weidelgras, für die betriebseigene Milchproduktion angebaut.
850 Milchkühe (mit eigener Reproduktion)stehen in den Clausnitzer
Ställen. 475 Mutterkühe mit Nachzucht beweiden das extensive
Grünland.
Quelle: Bauernzeitung (Thüringen), Ausgabe 45 (10. November 2000),
S. 22-23
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