Presseinformation der C.A.R.M.E.N. zu BAW und ihrer Publikation: Biologisch abbaubare Werkstoffe - Leitfaden & Produktkatalog


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Produktkatalog zu biologisch abbaubaren Werkstoffen will Interesse der Wirtschaft wecken

Rimpar, 24.09.1998. Auf dem wachsenden deutschen Markt für biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) betätigen sich momentan 51 Hersteller und Dienstleister. Diese Zahl nennt das Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe (IBAW), Dr. Harald Käb. Der Chemiker hat im Auftrag der bayerischen Koordinierungstelle für nachwachsende Rohstoffe C.A.R.M.E.N. einen Leitfaden und Produktkatalog verfaßt.

Zielgruppe: Großabnehmer und Weiterverarbeiter

Die Publikation richtet sich in erster Linie an Großabnehmer von Fertigprodukten oder Weiterverarbeiter. Der Produktkatalog nennt Ansprechpartner aller in- und ausländischen Hersteller und Dienstleister, Telefondurchwahl- und Fax-Nummer inklusive. Weitere Kerndaten liefert die Produktübersicht, ein Who’s who stellt die wichtigsten Akteure der „BAW-Szene" vor. Schnelle Suchergebnisse garantiert ein Stichwortkatalog mit Suchindizes. Im ersten Teil der Schrift, dem Leitfaden, erörtert der Autor die aktuelle abfallwirtschaftliche Stellung dieser neuen Produktgruppe.

Kunststoffähnliche Eigenschaften

BAW sind Werkstoffe mit kunststoffähnlichen Eigenschaften. In der Regel lassen sie sich mit den üblichen Verfahren der Kunststofftechnik verarbeiten. BAW werden aus nachwachsenden Rohstoffen (meist Stärke oder Zucker) oder fossilen Rohstoffen (Erdöl) verarbeitet; häufig sind sie eine Mischung verschiedener Roh- und Hilfsstoffe.

Was im Kompostwerk landet, läßt sich biologisch abbauen. Der Umkehrschluß jedoch ist falsch. Denn die Eigenschaft „biologisch abbaubar" ist eine Folge der chemischen Zusammensetzung und nicht eine der Rohstoffherkunft. Ob ein BAW kompostierbar ist, entscheidet die DIN CERTCO in Berlin; sie hat in diesen Tagen die Vornorm DIN-V-54900 verabschiedet.

Schmaler Grat zwischen Anwendung und Kompostwerk

BAW-Produkte eignen sich für kurzlebige Anwendungen. Sinnvoll ist ihr Einsatz dort, wo biologische Abbaubarkeit gefordert wird (Bioabfallsäcke, Pflanztöpfe) oder wo diese Eigenschaft vorgeschrieben wird (Friedhofsartikel). Auch dort, wo herkömmliches Recyceln aufwendig, schwierig oder unmöglich ist wie bei Lebensmittelverpackungen, Fast-Food-Artikeln, Hygieneprodukten (Windeln oder Damenbinden), kommen BAW in Frage. So schnell BAW-Produkte ihren Zweck auch erfüllt haben, zu schnell dürfen sie dem mikrobiellen Angriff nicht ausgesetzt werden. Der soll erst im Kompostwerk beginnen - eine Gratwanderung zwischen Anwendung und Entsorgung.

Gesetzgeber schafft Interpretationsbedarf

Der Gesetzgeber hat in diesem Sommer die gröbsten Markthindernisse für BAW auf dem Verordnungsweg (Verpackungs- und Bioabfallverordnung) beseitigt. Auslegungsbedürftige Formulierungen in den Verordnungstexten sorgen bei Herstellern und der sich formierenden BAW-Lobby allerdings weiter für Unsicherheit.

Aus Sicht des Autors wäre es naheliegend, sich an das Erfassungssystem für organische Abfälle des Hausmülls anzulehnen. BAW-Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe könnten dann nach der Bioabfallverordnung über die Biomülltonne erfaßt und im Kompostwerk kompostiert werden. Eine Einschränkung gibt es, denn der Gesetzgeber fordert eine flächendeckende Erfassung. Über die Biotonne werden bislang aber nur 60 Prozent der Bioabfälle erfaßt. Bis 2002 hat deshalb der Gesetzgeber der Branche Zeit gegeben, diese Vorgabe zu erfüllen.

Ziel: Konkurrenzfähig durch kostengünstige Entsorgung

Biologisch abbaubare Werkstoffe sind eine vergleichsweise neuartige Entwicklung; die Grundlagen wurden nach Auskunft des Autors Anfang der 80er Jahre gelegt. Ihre potentiellen Konkurrenten, die Massenkunststoffe, wurden im wesentlichen vor mehr als 40 Jahren entwickelt und werden seit 20 Jahren in großem Maßstab verbreitet. Verständlich, daß die BAW technisch noch nicht gleichgezogen haben mit ihren Konkurrenten. Auch der hohe Herstellungspreis hemmt die Marktentwicklung noch. Über die kostengünstige Entsorgung soll dieser Nachteil ausgeglichen werden.

Noch keine genauen Zahlen

Mittlerweile steht eine „Reihe von Werkstoffen zur Verfügung, die auch für anspruchsvolle Anwendungen (Lebensmittelverpackungen) eingesetzt werden können", resümiert Käb. Zum Umsatz von BAW gibt es nach Aussage des Autors noch keine genauen Zahlen. Für 1997 schätzt er 12.000 Tonnen in Europa, was einem Warenwert von etwa 100 Mio. Mark entspreche. Am meisten werden momentan Bioabfallsäcke eingesetzt, gefolgt von sog. Loose-Fill-(Schüttgut-)Verpackungen und Fast-Food-Geschirr.

Größter Markt in Deutschland

Deutschland gilt in Europa als größter Markt, nennenswerte Mengen will die Branche auch in Italien, den Beneluxstaaten und Nordeuropa umsetzen. Realistische Schätzungen sagen den BAW-Produkten für die nächsten Jahre in Westeuropa einen Marktanteil von 200.000 Jahrestonnen voraus. Die größten Hoffnungen macht sich die Branche im Verpackungsbereich. Nach Angaben des Verbandes Kunststofferzeugende Industrie betrug 1997 das Marktvolumen für Verpackungskunststoffe in Deutschland knapp 3 Mio. Tonnen. Zehn bis 20 Prozent davon wollen mittel-bis langfristig BAW stellen.

 C.A.R.M.E.N. (Hg.), Biologisch abbaubare Werkstoffe - Leitfaden & Produktkatalog, 119 Seiten, DIN A-4-Loseblattsammlung (wird ständig aktualisiert), Würzburg, September 1998, 60 DM zzgl. Porto, Versand: C.A.R.M.E.N. e.V.