Hochölsäurehaltige Sonnenblumen - Gute Aussichten in einem Nischenmarkt!

 Reinhold Vetter, Jürgen Maier
Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung Müllheim

Im Gegensatz zu konventionellen Sonnenblumen enthalten hochölsäurehaltige (HO-) Sonnenblumen ein Öl mit einem hohen Anteil der einfach ungesättigten Fettsäure Ölsäure. Es kann sowohl im Nahrungsmittelbereich, als Brat-, Fritierfett oder Salatöl, als auch in technisch-chemischen Anwendungen, z.B. für Tenside in Waschmitteln, verwendet werden. Bisher deckte die Industrie ihren Bedarf an Ölsäure zum größten Teil aus dem Abfallprodukt Rindertalg. Das Öl von HO-Sonnenblumen weist jedoch einen deutlich höheren Reinheitsgrad auf. Dadurch fallen bei der Verarbeitung weniger Nebenprodukte bzw. Reststoffe an und der Aufwand für die Reinigung des Endprodukts verringert sich. Das Öl ist deshalb ein beachtenswerter neuer Rohstoff.

 Beispiel für die Fettsäurezusammensetzung des Öls von Sonnenblumen 

Fettsäuren

Konventionelle Sorten

Hochölsäure-haltige Sorten

v. H.

v.H.

C 16:0

Palmitinsäure

6,4

3,1

C 18:0

Stearinsäure

4,4

2,0

C18:1

Ölsäure

19,0

87,0

C18:2

Linolsäure

67,6

5,0

übrige

2,6

2,9

Summe

100.0

100,0

Quelle: Henkel KGaA, 1997

Die oleochemische Industrie hat deshalb ihr Interesse an dem Öl aus der Saat dieser speziellen Sonnenblume bekundet; auch weil es als nachwachsender Rohstoff aufgrund seiner biologischen Abbaubarkeit und seiner weitgehenden CO2-Neutralität einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet. Die Industrie sieht einen steigenden Bedarf voraus, der in den nächsten Jahren anhalten wird. Voraussetzungen für eine steigende Nachfrage sind jedoch ausreichende Mengen, eine gesicherte Versorgung und vor allem gleichbleibende Rohstoffqualitäten. Deshalb unterstützt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BML) seit 1998 finanziell das Modellvorhaben „Ausdehnung des Anbaus von High-Oleic-Sonnenblumen in Deutschland". In diesem Vorhaben arbeiten in einem vertikalen Verbund Landwirtschaft, Handel, Ölmühle und Industrie zusammen.

Im Jahr 1998 wurden in Deutschland ca. 2100 Hektar hochölsäurehaltiger Sonnenblumen angebaut. Gegenüber 1997 entspricht dies einer Flächenausdehnung um rund 1800 Hektar. Mehr als die Hälfte der Anbaufläche lag 1998 in Baden-Württemberg, davon standen ca. 900 Hektar im Raum Heilbronn/Ludwigsburg. Auch wenn im letzten Jahr vereinzelt Bestände wegen ungünstiger Witterungsbedingungen nicht beerntet werden konnten, sollte dies zukünftig nicht vom Anbau der HO-Sonnenblumen abhalten. Die Ölsäuregehalte übertrafen in vielen Fällen die Anforderung der Industrie von mindestens 83 %, und auch die Ölgehalte lagen in der Regel über den geforderten 44 %.

Im Prüfsortiment des EU-Sortenversuches 1998 standen neben den Sorten ‘Olbaril’ und ‘Proleic 204’ erstmals drei Neuzulassungen. Die nachstehenden Ausführungen basieren auf den vorläufigen Ergebnissen von 5 Standorten, darunter auch der baden-württembergische Standort Müllheim. Im Mittel wurde ein Kornertrag von 30,4 dt/ha erreicht. Der Ölgehalt lag bei 44 % und der Ölsäuregehalt bei 86,8%.

Die Sorte ‘Olbaril’ ist eine später reifende Sorte mit hohem Öl- und mittlerem Ölsäuregehalt. Über die vergangenen Jahre hinweg zeigte sich die Sorte auch unter Praxisbedingungen im Ölgehalt überdurchschnittlich.

Die Sorte ‘Proleic 204’ ist ebenfalls später reifend. Bei mittlerem Ölsäuregehalt ist jedoch der Ölgehalt und damit der Ölertrag unterdurchschnittlich.

Die früheste und damit in der Abreife von allen geprüften Sorten am sichersten ist die Sorte ‘Capella’ (Südwestdeutsche Saatzucht, Rastatt). Die geringe Wuchshöhe erhöht zusätzlich die Erntesicherheit. Mit der Frühreife verbunden ist allerdings ein unterdurchschnittlicher Ertrag. Dieser kann aber auch auf einen stärkeren Vogelfrass bei der frühen Sorte gegenüber den späteren Sorten in der Prüfung zurückzuführen sein. Der Ölsäuregehalt liegt unter dem Durchschnitt. Es wird daher empfohlen, beim Anbau dieser Sorte verstärkt auf einen ausreichenden Isolierabstand zu konventionellen Sonnenblumen zu achten, um eine Fremdbestäubung und damit Qualitätsminderung zu vermeiden.

Bei der Sorte ‘Olsavil’ (Pioneer) ist die Abreife mit den Sorten Olbaril und Proleic 204 vergleichbar. Sie liegt im Kornertrag über dem Durchschnitt und weist in Verbindung mit einem durchschnittlichen Ölgehalt ebenfalls einen überdurchschnittlichen Ölertrag auf. Mit über 90% Ölsäure im Öl und gleichzeitig reduziertem Stearinsäuregehalt erfüllt sie sehr gut die Anforderungen der oleochemischen Industrie.

Die Sorte ‘Olstaril’ (Pioneer) ist in der Abreife etwas früher als die Sorten Olsavil und Olbaril, jedoch später als Capella. Der Ölertrag ist trotz des überdurchschnittlichen Ertrags aufgrund des leicht unterm Durchschnitt liegenden Ölgehalts nur durchschnittlich. Sie weist allerdings einen Ölsäuregehalt von knapp 90 % auf und zeigt damit wie die Sorte Olsavil den Stand der Züchtung hinsichtlich dieses wichtigen Merkmals.

In den Krankheitsbonituren, wie Sklerotinia, Botrytis und Phoma, zeigen die Sorten keine bedeutsamen Unterschiede.

Auch wenn die Ergebnisse der letzten drei Sorten erst einjährig sind, weisen sie darauf hin, daß die Züchtung den Anforderungen hinsichtlich früherer Reife und hochkonzentrierten, stabilen Inhaltsstoffen Rechnung trägt.

Für den Anbauerfolg mitentscheidend ist die Stellung in der Fruchtfolge. Gute Vorfrüchte sind Getreide oder Mais. Ein mindestens 4-jähriger Fruchtfolgeabstand zu Sonnenblumen, aber auch zu anderen Wirtspflanzen von Pilzkrankheiten (z. B. Sklerotinia oder Phoma), wie Raps oder Tabak, ist einzuhalten. Der Durchwuchs von herkömmlichen Sonnenblumen, der bei einer ordnungsgemäßen Fruchtfolge weitgehend auszuschließen ist, muß bereinigt werden. Ansonsten ergibt sich durch eine Vermischung eine Wertminderung durch Absenkung des Ölsäuregehalts. Zum Erreichen der geforderten Qualitätsstandards trägt auch die Empfehlung bei, einen Mindestabstand von 200 m zu konventionellen Sonnenblumen einzuhalten. Dies gilt besonders für Sorten, die noch nicht ausreichend reinerbig sind. Es ist festzuhalten, dass sich die HO-Sonnenblumen ansonsten produktionstechnisch nicht von herkömmlichen Sonnenblumen unterscheiden.

Bei der Ernte ist unbedingt auf absolute Sortenreinheit zu achten. Dies gilt grundsätzlich, angefangen beim Drusch, über die Erfassung, Trocknung und Zwischenlagerung bis hin zur Verarbeitung. Bei Vermischungen mit herkömmlichen Sonnenblumen sinkt der Ölsäuregehalt der Charge unter die geforderten 83 %, wodurch das Erntegut für eine Weiterverarbeitung in der chemischen Industrie nicht mehr geeignet ist. Dies ist besonders zu beachten beim Anbau auf Stillegungsflächen, falls der festgelegte Mindestertrag nicht erreicht wurde.

Der Anbau kann sowohl auf Basisflächen als auch auf Stillegungsflächen erfolgen.

Für die Wettbewerbsfähigkeit ist neben dem Ertrag auch der zu vereinbarende Preis entscheidend. Es ist zu erwarten, dass auf Stillegungsflächen ein höherer Deckungsbeitrag als bei Begrünung erzielt werden kann.

 Wettbewerbsfähigkeit von High-Oleic-Sonnenblumen auf Stillegungsflächen

High-Oleic-Sonnenblumen

Begrünung

Ertrag (dt/ha)

20

25

30

-

Preis (DM/dt)

46

46

46

Stillegungsprämie (DM/ha)

710

710

710

710

Summe variabler Kosten bzw. Flächenpflege (DM/ha)

1000

1080

1160

180

Deckungsbeitrag (DM/ha)

630

780

930

530

Für den anbauinteressierten Landwirt empfiehlt es sich in jedem Fall, am Modellvorhaben teilzunehmen. Das Führen einer Schlagkartei, mit deren Hilfe die Erfahrungen zusammengetragen und ausgewertet werden, wird im Rahmen des Vorhabens honoriert. Der Anbau von hochölsäurereichen Sonnenblumen bietet der einheimischen Landwirtschaft eine gute Gelegenheit, sich an der Erschließung einer attraktiven, da zukunftsträchigen Nische aktiv zu beteiligen. Aufgrund der bereits vorliegenden Anbauerfahrungen, auch aus dem Anbau konventioneller Sonnenblumen, sowie den klimatischen Standortvorteilen sollte die Chance unbedingt genutzt werden.