| Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige (HO-) Sonnenblumen
in Deutschland zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt Der Anbau von ölsäurereichen Sonnenblumen bietet der heimischen Landwirtschaft eine Chance, der sich immer weiter verschärfenden Wettbewerbssituation im Agrarsektor aktiv zu begegnen. Der Anbau im Rahmen des Modellvorhabens erfolgte in den drei zurückliegenden Jahren vorrangig auf Stillegungsflächen, nicht zuletzt auch deshalb, um den "Food"-Anbau von Ölsaaten auf Garantieflächen bzw. die Regelung der EU-Ausgleichszahlungen nicht zu tangieren. Aufgrund der Entscheidung des Agrarrates wurde zur Ernte 1998 erneut ein einheitlicher Stillegungs-Mindestsatz von 5% festgelegt, wobei auch keine Rotationsverpflichtung besteht. Dies unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit, den Anbau von "High oleic"-Sonnenblumen auch auf den Ölsaaten-Garantieflächen, sei es - wie sich jetzt abzeichnet - durch entsprechende Erzeugerpreise oder im Hinblick auf Ertragssicherheit und Qualität noch besserer Sorten, ökonomisch zu gestalten. Grundsätzlich unterscheidet sich der Anbau von HO-Sonnenblumen nicht von demjenigen konventioneller Sorten. Das Ertragspotential der derzeit verfügbaren HO-Sorten ist vergleichbar mit dem frühreifer konventioneller Sorten. Nur in bezug auf die spätere Blüte haben HO-Sorten einen höheren Anspruch an die Wasserversorgung im Sommer. Aus diesem Grund sind leichte Standorte ohne Bewässerungsmöglichkeit nicht erfolgversprechend. Da die gegenwärtigen HO-Sorten vergleichsweise spät abreifen, können bei ungünstigen Witterungsverhältnissen Ernteverzögerungen auftreten. Grundsätzlich müssen alle ackerbaulichen Maßnahmen befolgt werden, die eine zügige Jugendentwicklung und Abreife fördern (z.B. verhaltene Stickstoffdüngung, keine zu mastigen Bestände vor der Blüte). Das langfristige Ziel des Pilotprojektes ist die flächenmäßige Ausdehnung des Vertragsanbau von "High oleic"-Sonnenblumen zwischen Landwirten, dem Landhandel, der Ölmühle und weiterverarbeitender Industrie. Nur wenn ausreichende Mengen des Rohstoffes Ölsäure in der geforderten Qualität von den Landwirten produziert werden und die entsprechenden Verarbeitungkapazitäten in der Industrie auslasten, wird die Verwertung von HO-Sonnenblumöl im "Non food"-Bereich erfolgreich sein können. Zwar ist die Ertragssicherheit unter heimischen Anbaubedingungen mit dem vergleichsweise späten "High oleic"-Material nicht immer gewährleistet, im Hinblick auf die Sicherung der geforderten Qualität ist es jedoch unabdingbar, nur solche Sorten anzubauen, die hohe und stabile Ölsäure-Gehalte im Praxisanbau gewährleisten. Dies ist derzeit mit den Sorten Olbaril oder Proleic 204 gegeben. Neben der richtigen Sortenwahl sind eine optimierte Produktionstechnik, günstige Witterungsverhältnisse und eine peinlich genaue Separierung von konventionellen Sonnenblumen wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Anbau von "High oleic"-Sonnenblumen in Deutschland. Die in dieser Broschüre gemachten Angaben wurden nach bestem Wissen zusammengestellt und aktualisiert, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind ohne Gewähr. Der interessierte Landwirt sei noch auf die folgenden Literaturstellen verwiesen, die ergänzend weitere Aspekte des Sonnenblumenanbaus in deutscher Sprache darstellen:
Für Informationen und Fragen, die im Rahmen des neuen Modellvorhabens "Ausdehnung des Anbaus von High-oleic-Sonnenblumen in Deutschland" (1998-2000) auftreten, steht Ihnen Herr Dr. B. Schlüter zur Verfügung. Er ist zu erreichen unter:
Die vorliegenden Anbauempfehlungen
wurde von den Autoren aufgrund verschiedener Quellen zusammengestellt.
An der Erstellung der 1. Auflage dieser Broschüre war Herr Dr. M. Korell
maßgeblich beteiligt. Wichtige Anregungen und wertvolle Hinweise erfolgten
dabei durch Herrn Hugger, Regierungspräsidium Freiburg, sowie von Herrn
Dr. B. Schlüter und von Herrn Bungert, Institut für Speziellen Pflanzenbau
und Pflanzenzüchtung der Universität Bonn, wofür am dieser Stelle ausdrücklich
gedankt wird. Unser Dank für die gute Zusammenarbeit im Rahmen des Bundesmodellanbauversuches
(1995-1997) gilt insbesondere Herrn H.J. Hölzmann (Landwirtschaftskammer
Rheinland, Bonn) für die Betreuung der Region Rheinland und für die Evaluierung
und ökonomische Auswertung der Schlagkarteidaten, Herrn R. Reisewitz (RHG
Nord, Hannover) für die Betreuung der Region Neue Bundesländer sowie den
Herren Dr. Vetter (Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung, Müllheim)
und Döller (C.A.R.M.E.N., Rimpar) für die Organisation des Anbaus in Baden-Württemberg
bzw. Bayern. |