| Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige (HO-) Sonnenblumen
in Deutschland zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt
Sonnenblumen reagieren in ihrer Anfangsentwicklung empfindlich auf Verunkrautung. Erst ab Reihenschluß durch die Ausbildung großer Blätter ist die Sonnenblume konkurrenzstark. In Sonnenblumen lassen sich Unkräuter und Gräser mechanisch gut bekämpfen. Die Hacke ist grundsätzlich immer zu empfehlen und ist auf verschlämmten Böden unverzichtbar. Durch den Einsatz der Maschinenhacke nach dem Auflaufen mit Hohlschutzscheiben (Entfaltung des ersten Laubblattpaares) und vor Reihenschluß (20-30 cm Wuchshöhe; Vorsicht beim Durchfahren: Verletzungsgefahr durch Abknicken mit dem Hackrahmen!) kann eine zügige Etablierung des Wurzelsystemes aufgrund eines erhöhten Gasaustauschs und die damit verbundene schnellere Bodenerwärmung erzielt werden. Eine frühere Nährstoffmobilisierung ist die Folge sowie eine Verbesserung des Wasserhaushaltes der Böden durch die Reduktion kapillarer Wasserverluste und einer verbesserten Infiltration des Regenwassers. Im zweiten Bearbeitungsgang kann durch leichtes Anhäufeln die Standfestigkeit der lageranfälligen Sonnenblume verbessert und das Unkraut in den Reihen bekämpft werden. Bei einer zu erwartenden schwachen Verunkrautung sind Bandbehandlungen mit reduziertem Herbizidaufwand sowie eine anschließende zweimalige Maschinenhacke (nach dem Auflaufen und bei 20-30 cm Wuchshöhe) möglich. Bei starker Verunkrautung, insbesondere bei Auftreten von Klettenlabkraut, empfiehlt sich jedoch eine flächige Herbizidbehandlung. Gegen zweikeimblättrige Samenunkräuter sind in Deutschland derzeit keine Nachauflaufmittel zugelassen. Zur Einarbeitung vor der Saat (VSE) eignen sich Trifluralin-haltige Herbizide (Wirkstoffkonzentration: 480 g/l; Herbizide ElancolanÒ , Demeril 480 ECÒ , SciroccoÒ usw.) mit einer Aufwandmenge von 2,5 l/ha auf Böden mit 2-5 % organischer Substanz. Bei schwacher Verunkrautung mit Klettenlabkraut werden breitblättrige Samenunkräuter (außer Kamille, Kreuzblütler und Franzosenkraut) sowie Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Einjährige Rispe mit diesen Mitteln erfaßt. Als Vorauflaufmittel gegen zweikeimblättrige Unkräuter und die bereits genannten Ungräser hat sich der Einsatz von BandurÒ bewährt. Das Herbizid sollte spätestens 3 Tage vor dem Auflaufen mit einer Aufwandmenge von 4 l/ha ausgebracht werden. Neben der Einarbeitung zur Saat steht Stomp SCÒ , das sicher gegen zweikeimblättrige Samenunkräuter (gegen Klettenlabkraut Wirkung nicht immer ausreichend) sowie Windhalm und Einjährige Rispe wirkt, auch im Vorauflauf (VA) zur Verfügung. Der VA-Einsatz von Stomp SCÒ (5 l/ha) sollte direkt nach der Saat erfolgen, wobei die Mindestsaattiefe 3 cm betragen muß. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Kälte, Feuchtigkeit) kann es bei der Anwendung dieses Mittels zu Wurzelhalsschäden kommen, die unter Umständen ein Abknicken des Stengels verursachen. Das VA-Herbizid Racer CSÒ weist eine ähnlich Wirkungsbreite auf und wird entweder in Tankmischungen mit Stomp SCÒ oder alleine mit einer Aufwandmenge von 3,0 l/ha bis spätestens 5 Tage nach der Saat, auf gut abgesetztem Boden angewendet. Racer CSÒ hat allerdings zur Zeit keine Pflanzenschutzmittel-Zulassung, d.h. es dürfen nur noch im Betrieb vorhandene Restmengen aufgebraucht werden! Für die Bekämpfung von Klettenlabkraut, Vogelmiere und Weißer Gänsefuß in Sonnenblumen ist ferner BoxerÒ im VA-Verfahren zugelassen. Für die Gräserbekämpfung steht nur ein Nachauflaufherbizid zur Verfügung. Fusilade MEÒ zeigt eine optimale Wirkung gegen Ungräser im Zwei- bis Vierblatt-Stadium bei wüchsigen Bedingungen (Ausnahme: Einjährige Rispe). Der allgemeine Anwendungsbereich liegt zwischen 1,0-1,5 l/ha; bei Queckebesatz muß die Dosierung allerdings auf 2-3 l/ha erhöht werden. 2.10 Tierische Schädlinge Während der Keimblatt- und Jugendentwicklung (vgl. Entwicklungsstadien, im Anhang) sind Sonnenblumen besonders von tierischen Schädlingen bedroht. Neben dem Abzwicken der Keimlinge durch Tauben und Fasane können auch Feldmäuse, Schnecken und Drahtwürmer, aber auch Hasen und Rehwild einen beträchtlichen Schaden bis zum Totalausfall verursachen. Nach Erfahrungen aus Baden-Württemberg werden HO-Sonnenblumen aus unbekannten Gründen bevorzugt von Vögeln gefressen. Damit diese sensible Entwicklungsphase vom Auflaufen der Pflanzen bis zur Entwicklung des zweiten bis dritten Laubblattpaares (BBCH-Code 09-16; vgl. Anhang) zügig abgeschlossen wird, sollte die Aussaat zu einem späteren Termin bzw. erst bei ausreichender Bodenerwärmung erfolgen (vgl. Kap. 2.6). Ein Anbau auf zuvor stillgelegten Flächen ist in bezug auf Schnecken- und Drahtwurmfraß ein besonderes Risiko. Schnecken sind durch Beidrillen oder Ausstreuen von Schneckenkorn direkt zu bekämpfen, aber die Wirkung ist begrenzt. Die Schaffung eines gut abgesetzten Saatbettes ohne Kluten- und Hohlraumbildung ist diesbezüglich eine vorbeugende Maßnahme. Vogelfraß kann durch eine Ablenkungsfütterung mit vorgequollenem Mais, durch das Anbringen von Sitzstangen für Greifvögel sowie durch das Aufstellen von Vogelscheuchen und Windbändern, sofern sie erst kurz vor dem Auflaufen aufgestellt werden (Gewöhnung!), bekämpft werden. Bedingt ist es möglich, dem erwarteten Vogelfraß im Keimblattstadium durch eine etwas höhere Aussaatstärke zu begegnen. Während der Abreife können zudem beträchtliche Verluste durch Finken und Tauben entstehen, die die Körbe auspicken. Deshalb sollte ein Anbau auf Einzelflächen in Ortsnähe vermieden werden, da diese Flächen besonders gefährdet sind. Mit Beschallungsgeräten, die Raubvogelstimmen imitieren, sind sehr gute Erfolge erzielt worden. Diese Art des Schutzes vor Vogelfraß ist aber nicht sehr preisgünstig und lohnt erst ab größeren Flächeneinheiten (ab ca. 5 ha). Ansonsten ist regelmäßiges Bejagen bei Auftreten von größeren Vogelschwärmen unabdingbar. Obwohl die zu erwartenden Ertragseinbußen durch Blattlausbefall allgemein als gering bewertet werden, ist zu berücksichtigen, daß mögliche pilzliche Sekundärinfektionen auf den durch Blattlausbefall verkräuselten Blättern begünstigt werden. Bei einem frühzeitigen starken Blattlausbefall (ca. 50 Läuse/Pfl. vor dem 5-Blattstadium) oder einem Befall von 50-100 Läusen/Pfl. zwischen dem 5-Blattstadium und dem Erscheinen der Blütenknospe bzw. "Sternstadium" (BBCH-Code 15-51; vgl. Anhang), jedoch nicht später, wäre die Anwendung eines Insektizides angezeigt (Vorsicht beim Durchfahren: Abknicken der Pflanzen!). Es ist jedoch darauf hinzuweisen, daß derzeit keines der üblichen Insektizide aus dem Getreide- oder Rübenbau (z.B. nützlingsschonende bzw. bienenungefährliche Mittel, wie Pirimor-GranulatÒ oder MaverikÒ ) für Sonnenblumen amtlich zugelassen ist. Ferner hat der insektizide Wirkstoff Imidachloprid (GauchoÒ ), der in Saatgutbeizversuchen sehr gute Wirkung verbunden mit einer geförderten Jugendentwicklung gezeigt hat, für Sonnenblumen in Deutschland derzeit noch keine Zulassung. 2.11 Pilzkrankheiten Die wichtigsten Pilzkrankheiten in Deutschland sind der Grauschimmel (Botrytis) und die Stengel- und Korbfäule (Sklerotinia). Seit einigen Jahren gewinnen aber auch der Falsche Mehltau (Plasmopara) sowie Phomopsis und Phoma an Bedeutung. Der Grauschimmel war 1995 die dominierende Krankheit, aber auch Phoma verursachte stengelumfassende Verbräunungen, die z.T. Notreife bedingten. Zur Zeit sind keine Fungizide zur Bekämpfung von Blatt- und Stengelkrankheiten in Sonnenblumen zugelassen. Zur Vorbeugung gegen einen Sklerotinia-Befall sind Anbaupausen von vier bis fünf Jahren einzuhalten. Die im Boden überdauernden Sklerotien können aber weitere Wirtspflanzen, wie Raps, Kartoffeln, Tabak, Bohnen oder Erbsen, infizieren. Desweiteren empfiehlt sich eine verhaltene Stickstoffdüngung und eine mittlere Bestandesdichte, die zudem auch vorbeugende Maßnahmen gegenüber einem Botrytis- sowie Phomopsisbefall sind. Eine Beregnung sollte grundsätzlich verhalten erfolgen, um einer pilzlichen Infektion vorzubeugen. Nach der Ernte sind bei Phomopsis-Befall die Stoppelreste unbedingt gut einzuarbeiten, da hierdurch das Infektionspotential im Folgejahr erheblich vermindert werden kann. Gegen den Falschen Mehltau sollte nur Metalaxyl-gebeiztes Saatgut Verwendung finden, da es keine chemische Bekämpfung in Sonnenblumenbeständen gibt. Zur Verhinderung von Sekundärinfektionen ist es ratsam, Durchwuchs auf benachbarten Schlägen und Stillegungsflächen zu beseitigen. Für Fragen zur aktuellen
Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln steht Herr Dr. B. Schlüter
(Adresse) zur Verfügung. Desweiteren können entsprechende
Informationen über DAINet (http://www.dainet.de/dain/foren/landwirtschaft/index.htm)
oder direkt bei der Biologischen Bundesanstalt, Braunschweig (http://www.bba.de/) im Internet abgerufen werden. |