| Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige (HO-) Sonnenblumen
in Deutschland zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt 2.8 Düngung Einem Sonnenblumenbestand sollten bei einem erwarteten Kornertrag von 35 dt/ha ca. 100 kg/ha Stickstoff zur Verfügung stehen. Die Sonnenblume deckt ihren Stickstoffbedarf hauptsächlich aus der N-Nachlieferung des Bodens. Eine verhaltene Stickstoffdüngung, abgestimmt auf die Nmin-Gehalte und das Mineralisierungsverhalten des Bodens, besonders in Verbindung mit organischer Düngung bzw. Vorfrucht, ist hierbei wesentlich. Mehr als 80-100 kg N/ha (einschließlich Nmin) sollten spätreifen Sonnenblumensorten nicht zur Verfügung stehen. Die N-Nachlieferung des Bodens muß deshalb für jeden Standort individuell vom Landwirt abgeschätzt werden. Auf schweren und tiefgründigen Böden sind daher zusätzliche Düngergaben von 0-40 kg N/ha zur Saat ausreichend, während die Stickstoffgaben auf leichten und durchlässigen Böden 20-70 kg N/ha betragen sollten. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Sonnenblume aufgrund ihres Wurzelsystems, das bis in eine Bodentiefe von 4 m reicht, ein ausgeprägtes Nährstoffaneignungsvermögen aufweist. Um die Jugendentwicklung zu beschleunigen, sollte ausreichend Stickstoff im Oberboden (bis 60 cm) direkt verfügbar sein. Die Nmin-Untersuchung bietet für die Bemessung der Stickstoffdüngung wichtige Anhaltspunkte, da sie die N-Verfügbarkeit zur Probennahme darstellt. Für die weitere N-Bilanzierung ist die Nachlieferung des Bodens im Verlauf der Vegetationsperiode, die vom Mineralisierungsverhalten des jeweiligen Ackerschlages abhängt, von entscheidender Bedeutung. Auf eine organische Düngung sollte zu Sonnenblumen grundsätzlich verzichtet werden, um einen unkontrollierten Stickstoffschub im Frühsommer vorzubeugen. Die Nachfrucht muß eine entsprechende Stickstoffdüngung erhalten, da die Sonnenblume einen weitgehend ausgeräumten Boden hinterläßt (vgl. Kap. 2.1). Phosphor, Kalium und Magnesium werden nach entsprechender Nährstoff-Bilanzierung als Grunddüngung gegeben. Böden der Gehaltsstufe C mit 20 mg P/100 g Boden, 25 mg K und 12 mg Mg sind für den Sonnenblumenanbau vorteilhaft. Aufgrund der Kalium-Fixierung auf schweren Böden sollten die Werte hier bei 35 mg K/100 g Boden liegen, da die Sonnenblume besonders bei Sommertrockenheit auf eine gute Kaliumversorgung angewiesen ist. Die Düngung sollte in Form von Kaliumsulfat erfolgen, um gleichzeitig dem vergleichsweise hohen Schwefelbedarf der Sonnenblume zu genügen. Als Magnesiumdünger eignet sich Kornkali mit 6 % MgO. Die Grunddüngung sollte nach Entzug gegeben werden. Richtwerte für eine Grunddüngung (Versorgungsstufe C) liegen bei 60-80 kg/ha P2O5, 140-200 kg/ha K2O und 40-60 kg/ha MgO. Trotz einer Versorgungsstufe C kann bei nachfolgendem Getreide auf eine K2O-Düngung zu Sonnenblume nicht verzichtet werden (vgl. Kap. 2.1). Der Borbedarf der
Sonnenblume ist sehr hoch (Entzug: 1,4 g/dt Korn, 5,1 g/dt Restpflanze).
Die Gefahr von Bormangel ist hauptsächlich auf basischen Böden mit über
10 % freiem Kalk (pH-Wert 8) und auf leichten und flachgründigen
Böden mit einem hohen Sandanteil gegeben. Alle Faktoren, die das Wurzelwachstum
sowie die Wurzelphysiologie negativ beeinflussen, können zugleich einen
Bormangel bedingen. Bor kann vor der Saat mit der Pflanzenschutzspritze
auf den Boden ausgebracht werden oder in Form einer Blattdüngung (z.B.
mit 5-10 kg/ha SoluborÒ ) erfolgen, die zusammen mit einer Insektizidbehandlung
leicht und kostengünstig ausgebracht werden kann. Eine Behebung des Bormangels
ist gleichzeitig eine Vorsorgemaßnahme gegen Botrytisbefall und andere
Sekundärinfektionen, da Bormangel einen Assimilatstau verursachen kann,
der einer Sekundärinfektion förderlich ist. |