| Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige (HO-)
Sonnenblumen in Deutschland zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt 2.3 Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung Eine tiefe Winterfurche und ein gut abgetrocknetes, verdichtungsfreies Saatbett sind grundsätzlich für den Sonnenblumenanbau zu empfehlen. Auf leichten Böden ist eine wassersparende Bodenbearbeitung im Frühjahr anzuraten. Um einen regelmäßigen Auflauf sicherzustellen, sollte das Saatbett feinkrümelig sein. In ihren Ansprüchen an die Boden- und Saatbettbereitung ist die Sonnenblume der Zuckerrübe vergleichbar. Durch die Verschlämmungsgefahr auf Schluffböden sollte daher keine zu feine Saatbettbereitung erfolgen. Durch eine Verschlämmung wird die Infiltration der Winterniederschläge verringert und gleichzeitig nehmen unproduktive Wasserverluste zu, die zudem die Bodenerwärmung im Frühjahr verlangsamen. Empfehlenswert kann im Herbst vorher die Einsaat von z.B. Phacelia sein, um auf Stillegungsflächen im Frühjahr danach eine Mulchsaat vorzunehmen. Die Zwischenfrucht kann eine positive Wirkung auf die Wasserbilanz haben, da Winterniederschläge besser in den Boden infiltrieren können und die Zwischenfrucht über Winter nur einen geringen Wasserverbrauch hat. Nur auf flachgründigen Standorten mit schlechter Wasserversorgung ist ein Zwischenfruchtbau nicht empfehlenswert. Nachteile der Mulchsaat sind eine langsamere Bodenerwärmung, die eine verzögerte Jugendentwicklung bedingt, sowie die unter Mulch stärker auftretende Schneckenplage. 2.4 Sortenwahl Die Sorte ist, wie der wachsende Erfahrungsstand im bezug auf den deutschen Anbau (Bundesmodellanbau, EU-Sortenversuch) zeigt, der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Produktion von hochölsäurehaltigen Sonnenblumen. Zum einen ist - in Abhängigkeit von der Temperatursumme während der Vegetationszeit - die Abreife von HO-Sonnenblumen aus der mittelfrühen bis mittelspäten Reifegruppe gegenüber frühreiferen Sorten um etwa 8-12 Tage verzögert. Andererseits sind es insbesondere die letztgenannten Sorten, wie etwa die im EU-Sortenversuch 1997 erstmalig geprüfte Sorte Lunasol, die mit deutlich unter 80% Ölsäure für eine industrielle Verwertung nicht akzeptabel sind. Im Modellanbau kamen seit 1996 nur noch die Sorten Olnil, Olbaril (Pioneer) und Proleic 204 (Rustica) zum Einsatz, da diese einen Ölsäure-Gehalt von sicher 80 % und mehr unter üblichen Praxisbedingungen erreichen. Die genannten Sorten werden im folgenden bewertet und miteinander verglichen. Die Sorte Olnil erzielte in den drei Jahren des Modellanbaus zufriedenstellend hohe Ölsäure-Gehalte. Im Hinblick auf Ertrag und Deckungsbeitrag erreichte diese Sorte jedoch nicht das Niveau der beiden anderen Sorten, Proleic 204 und Olbaril. Die Sorte Proleic 204 erbrachte sowohl 1996 mit 21,3 dt/ha, als auch 1997 mit 22,9 dt/ha den höchsten Durchschnittsertrag. Insbesondere hat sich gezeigt, daß die Sorte den Anbau auf Böden mit höherer Ackerzahl honoriert. So wurden 1996 trotz ungünstiger Anbaubedingungen (späte Abreife, feuchte Witterung zur Ernte) auf den 25 % ertragreichsten Schlägen im Mittel 28,6 dt/ha geerntet. Nicht befriedigend ist der Ölgehalt dieser Sorte, der in beiden Jahren etwa 4-5% niedriger lag als bei der Sorte Olbaril und somit gemäß Ölmühlenbedingungen (1997) einen rund 2,50 DM/dt niedrigeren Zuschlag/Abschlag zum Erzeugerpreis bewirkte. Die Sorte Olbaril ist eine später reifende Sorte, die in 1996 vorwiegend auf Standorten mit geringerer Ackerzahl angebaut wurde und möglicherweise deswegen auch einen schlechteren Ertrag und Deckungsbeitrag als Proleic erzielte. Die Erträge dieser Sorte lagen 1997 im Durchschnitt bei 20,0 dt/ha. Auf den 25 % ertragreichsten Ackerschlägen wurden im Mittel 24,6 dt/ha im Anbaujahr 1996 bzw. 23,7 dt/ha in 1997 geerntet. Im Vergleich zu der Sorte Olbaril war Proleic 204 in den beiden Versuchsjahren - von regionalen Unterschieden abgesehen - etwa eine Woche früher reif, dafür wurden jedoch deutlich niedrigere Ölgehalte und damit geringere Qualitäts-Preiszuschläge gegenüber Olbaril realisiert. Das letztgenannte Qualitätskriterium ist ein maßgeblicher Faktor für die Erzielung eines hohen Ölsäureertrages. Die verfügbaren HO-Sorten zeigen eine sehr deutliche Differenzierung im Ölgehalt (bezogen auf 9% Kornfeuchte), wobei insbesondere die Sorte Olbaril durch stabil hohe mittlere Ölgehalte von 45,8 % (1996) bzw. 44,5 % (1997) gegenüber den beiden anderen Sorten, Proleic und Olnil, unter Praxisbedingungen überzeugte. Allgemein gesprochen, ist das Ertragspotential der beiden Sorten Olbaril und Proleic 204 aufgrund ihrer späteren Reife höher, aber die Ertragsstabilität (Erntesicherheit) ist dadurch in Deutschland nicht immer gewährleistet. Besonders feuchte Witterung während der Abreife und zur Ernte könnte starke Ertragsausfälle zur Folge haben, da bei hoher Luftfeuchte die pilzlichen Erreger Botrytis und Sklerotinia den Korb der Sonnenblume befallen und vollständig zerstören können. Die beiden Sorten sollen aber eine ausreichende Toleranz gegenüber Sklerotinia besitzen, was ihre Anbauwürdigkeit in Deutschland erhöht. Der Temperaturanspruch der später reifenden HO-Sorten ist dem des Körnermais (FAO 250) vergleichbar (vgl. Kap. 2.2). Auf der Basis der bisher erzielten Praxisergebnisse werden für das Anbaujahr 1998 die Sorten Olbaril und Proleic 204 empfohlen. Das genetische Ertrags- und Qualitätspotential der genannten Sorten läßt bei günstigem Witterungsverlauf und guten Böden höhere Erträge und Deckungsbeiträge erwarten als in den vergangenen beiden Jahren erreicht wurden. Von Züchterseite wurde
in Aussicht gestellt, daß bereits 1999 neue HO-Sonnenblumensorten mit
verbessertem Abreifeverhalten für den landwirtschaftlichen Anbau zur Verfügung
stehen werden. So wurde im Februar 1998 die frühreife bis mittelfrühe
Sorte Capella (Südwestdeutsche Saatzucht, Rastatt)
beim Bundessortenamt zugelassen. Ebenfalls neu hinzugekommen sind die
in Italien zugelassenen Sorten Olstaril und Olsavil
(Pioneer). Die Sorte Olsavil, die in verschiedenen Versuchen
unter der Bezeichnung XF4524 geführt worden war, erfüllt mit
mindestens 90% Ölsäure und gleichzeitig reduziertem Stearinsäure-Anteil
(bis unter 2%) im Öl bereits jetzt zukünftige Anforderungen der oleochemischen
Industrie. Obwohl Olsavil sogar höhere Erträge als Olbaril
erbringen kann, ist die vergleichsweise noch spätere Abreife als Problem
für den hiesigen Anbau anzusehen. Die genannten Neuzulassungen befinden
sich zusammen mit Olbaril und Proleic 204 im Prüfsortiment
des EU-Sortenversuches 1998, so daß weiterführende Ertrags- und Qualitätsergebnisse
unter hiesigen Anbaubedingungen zu erwarten sind (Finck, persönl. Mitteil.). |