| Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige
(HO-) Sonnenblumen in Deutschland zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt 2 Anbauhinweise 2.1 Fruchtfolge Gute Vorfrüchte für die Sonnenblume sind Getreide oder Mais. Aufgrund der starken Anfälligkeit der Sonnenblume gegenüber Pilzkrankheiten (z.B. Sklerotinia oder Phoma) ist mindestens ein 4-jähriger Fruchtfolgeabstand zu Sonnenblumen, aber auch zu anderen Wirtspflanzen dieser pilzlichen Erreger (z.B. Raps, Tabak), einzuhalten. Wegen der Durchwuchsproblematik (vgl. Kap. 2.16) sollten auf Sonnenblumen in erster Linie Getreide oder Mais folgen. Aufgrund ihrer intensiven Durchwurzelung hat die Sonnenblume einen hohen Vorfruchtwert. So ist die Humusbilanz in jedem Fall günstig zu beurteilen, da die Sonnenblume ca. 70 dt/ha Trockenmasse auf dem Feld hinterläßt, welche für die Nachfrüchte nutzbar sind. Jedoch können die Wasser- und Nährstoffvorräte des Bodens nach einem Sonnenblumenanbau erschöpft sein. Dies gilt insbesondere für Kalium, das kaum in die Körner (Achänen) verlagert wird, so daß bis zu 300 kg K2O /ha in den Ernterückständen im ersten Jahr nach der Sonnenblumenernte im Boden festgelegt und damit für die direkt nachfolgende Nutzpflanzenart nicht verfügbar sein können. Auf schwach versorgten Böden ist dies bei der Düngung der Nachfolgefrucht beachten. Im zweiten Jahr nach Sonnenblumen ist die organisch gebundene Menge dann in der Regel wieder verfügbar. Die Differenz kann bis zu 10 mg/100 g Boden ausmachen! (vgl. auch Kap. 2.8). 2.2 Standortwahl Die Bedeutung der Sonnenblume liegt allgemein in ihrer guten Ertragsfähigkeit in verhältnismäßig trockenen und warmen Anbauregionen, also in Gebieten wo je nach Reifegruppe eine Temperatursumme (auf der Basis von 6 °C) von 1500-1700 °C erreicht wird. Diese Temperatursumme ergibt sich, indem man von der durchschnittlichen Tagestemperatur 6 °C abzieht und die Einzelwerte für den Zeitraum von Aufgang bis Ernte der Sonnenblume aufsummiert. Für die derzeit vorhandenen HO-Sonnenblumensorten, die durchschnittlich ca. 10 Tage später abreifen als konventionelle Sorten, gilt insbesondere, daß sie nur für solche Standorte geeignet sind, auf denen eine vergleichbare Ackerfrucht, wie Körnermais mit der FAO-Zahl von wenigstens 250, problemlos abreift. Um der, durch die etwas spätere Abreife bedingten, höheren Krankheitsanfälligkeit entgegenzuwirken, sollte die HO-Sonnenblume nicht in windstille Talkessel und Mulden gestellt werden, in denen im frühen Herbst mit Nebelbildung und hoher Luftfeuchtigkeit gerechnet werden muß. Neben den genannten
Standortklimafaktoren bestimmt der Boden im Sonnenblumenanbau maßgeblich
die Ertragshöhe und -sicherheit. Die Anbauerfahrungen der letzten Jahre
haben vor allem gezeigt, daß die Sonnenblume relativ anspruchsvoll ist,
so daß sie mittlerweile im Süden und Südwesten von Deutschland mit der
Zuckerübe und vor allem dem Körnermais konkurriert. Neben den südlichen
Anbauarealen sind auch kontinental geprägte Klimagebiete, wie in Thüringen,
Sachsen oder Sachsen-Anhalt, geeignet, sofern sie nicht aufgrund ihrer
Höhenlage (höher als 200 m über NN) zu einem spät einsetzenden Vegetationsbeginn
verbunden mit einer verzögerten Bodenerwärmung neigen. Tiefgründige, leicht
erwärmbare, gut strukturierte Löß-, Lößlehm- und sandige Lehmböden gewährleisten
aufgrund ihrer guten Durchwurzelbarkeit und der hohen Wasserspeicherkapazität
eine stetige Wasser- und Nährstoffnachlieferung. Besonders zur Blüte sollte
während der Sommertrockenheit die Wassernachlieferung aus dem Boden nicht
unterbrochen sein. Aus diesem Grunde scheiden zu leichte Böden für den
Sonnenblumenanbau aus, wenn keine Bewässerung möglich ist. Bedingt durch
Pflugsohlen-Verdichtungen und Strukturschäden sowie schwere und kalte,
untätige Böden kann sich das Wurzelwerk während der Jugendentwicklung
nur unzureichend entwickeln, was unter Umständen Wasser- und Nährstoffmangel,
aber auch Lager zur Folge hat. Diese Böden sind vom Sonnenblumenanbau
auszuschließen. Die Sonnenblume stellt keine besonderen Ansprüche an die
Bodenreaktion. Bei zu hohen pH-Werten können allerdings Bor und andere
Spurenelemente festgelegt und und somit nicht verfügbar sein.
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