Anbauempfehlungen für hochölsäurehaltige (HO-) Sonnenblumen in Deutschland
zusammengestellt von Dr. W. Lühs & Prof. Dr. W. Friedt

2.14 Ernte

Die Ernte der vergleichsweise spätreifen HO-Sorten erfolgt je nach Standort und Witterung von Mitte September bis Anfang Oktober. Im Anbaujahr 1996 verzögerte sich die Ernte sogar bis in den November. Der Bestand sollte zum Zeitpunkt der Ernte vollständig abgestorben sein (brauner Stengel). Die Kornfeuchte liegt im Idealfall zwischen 9-12 % (Totreife), um ein Schälen der Körner beim Drusch zu vermeiden und um auf eine kostenintensive Trocknung verzichten zu können. Um die von der Industrie geforderte Qualität abzusichern, hat die Trocknung auf 9 % Kornfeuchte unmittelbar nach der Ernte zu erfolgen. Danach ist insbesondere bei hofeigener Lagerung auf eine ausreichende Belüftung zu achten. Ziel ist es, dadurch die Bildung freier Fettsäuren zu verhindern.

Durch das unterschiedliche Abreifeverhalten von Korb und Korn ist es aber nicht ganz einfach den richtigen Erntezeitpunkt festzustellen. Mit Beginn der physiologischen Reife (BBCH-Code 87; vgl. Anhang) könnte ab einem Kornfeuchtegehalt von 25 % mit dem Mähdrusch begonnen werden. Da der noch feuchte Blütenkorb aufgrund einer Wiederbefeuchtung der Körner aber zu erheblichen Ernteschwierigkeiten führen kann, sollte besser erst ab einer Kornfeuchte < 20 % gedroschen werden, was an der Braunverfärbung der Korbrückseite zu erkennen ist. Ab einer Kornfeuchte < 15 % (Vollreife; BBCH-Code 89) muß der Drusch ohne Verzögerung durchgeführt werden, um Samenausfall und Vogelfraß vorzubeugen. Zur Bestimmung des richtigen Erntezeitpunktes kann auch ein Probedrusch mit anschließender Feuchtebestimmung der Körner erfolgen. Ist das Erntegut noch zu feucht, wird sich dies auch auf die Ernte auswirken und die Einstellung des Mähdreschers ist entsprechend anzupassen. Besonders mit Botrytis und Sklerotinia befallene Schläge erreichen nicht so niedrige Feuchtigkeitsgehalte wie gesunde Bestände.

Die Ernte der Sonnenblumen kann mit speziellen Pflückvorsätzen erfolgen. Die Firma Geringhoff bietet einen Maispflückvorsatz an, der für die Sonnenblumenernte eingestellt werden kann. In der Praxis hat sich der Einsatz von Axialflußmähdreschern bewährt. In der Regel jedoch wird die Ernte mit einem umgerüsteten herkömmlichen Getreidemähdrescher durchgeführt. Der Umbau erfolgt mit Kastenschiffchen am Schneidwerk und die Haspelzinken werden mit Gummiplatten abgedeckt, um ein Aufspießen der Körbe sowie ein Ausschlagen der Körner zu verhindern. Das Schneidwerk ist auf beiden Seiten mit Trennblechen auszurüsten, um ein seitliches Herausfallen der Pflanzen zu verhindern. Bei lagernden Beständen ist es ratsam abknickende Schleifkufenbleche als Hebeeinrichtung zu verwenden, obwohl lagernde Sonnenblumenbestände nur sehr schwierig zu ernten sind. Hilfreich ist es zudem, einen Balken unter der Vorderachse zum völligen Umknicken der Stengel anzubringen. Zur Sonnenblumenernte eignen sich Mais- bzw. Bohnendreschkörbe besonders gut, bei trockener Ernte ist die Verwendung des Universalgetreidedreschkorbes gut möglich; dieser verstopft aber sehr leicht bei feuchtem Erntegut. Der Dreschkorbabstand sollte möglichst groß (Richtwerte vorne 23-40 mm, hinten 17-30 mm) gewählt werden, um den Sonnenblumenkorb nur geringfügig zu zerschlagen, da Korbteile die Reinigung sehr stark belasten können. Sind die Körbe noch grün-gelblich und somit sehr feucht, muß der Dreschkorb so eingestellt werden, daß der Korb maximal in 2-3 Teile zerfällt, um erhöhten Besatz und ein Wiederbefeuchten der Körner zu vermeiden. Grundsätzlich ist der Dreschkorb so weit wie möglich einzustellen, um ein Schälen der Körner zu vermeiden. Wenn in der Mitte des Sonnenblumenkorbes noch Körner hängen bleiben, handelt es sich meistens um taube Körner. Bei feuchtem Erntegut sind Dreschtrommelabdeckbleche einzubauen. Die Trommeldrehzahl sollte möglichst niedrig eingestellt werden. Bei kleineren Trommeln (Æ  45 cm) liegt die Drehzahl bei 600-700 Umdrehungen/Min., bei größeren Trommeln (Æ  60 cm) bei 450. Bei sehr trockenem Erntegut brechen die Schalen der Körner leicht. Dem kann aber durch eine Verringerung der Trommeldrehzahl begegnet werden. Die Reinigung ist auf die jeweiligen Erntebedingungen individuell abzustimmen. Trockene Bestände können mit Standardsieben (Obersiebe: 12 mm, Untersiebe: 8-12 mm) aufgereinigt werden. Ein zu feuchtes Erntegut führt zu Verklebungen der Siebe, sie müssen dann häufiger gereinigt werden. Für solche Bedingungen eignen sich Rundlochsiebe besser, wobei die Obersiebe eine Weite von 18 mm und die Untersiebe eine Weite von 16 mm aufweisen sollen. Die Windeinstellung ist sehr genau vorzunehmen, weil das geringe Raumgewicht der Sonnenblumenkörner zu Verlusten führen kann. In den meisten Fällen reicht eine schwache Windeinstellung aus, wobei aber nicht alle Verunreinigungen ausgeblasen werden. Der Wind sollte eher im vorderen Teil als im hinteren Bereich der Siebe wirken. Die Reinigungssiebe müssen den größten Teil der Reinigungsarbeit leisten. Eine auf die Erntebedingungen individuelle Abstimmung der Siebwahl und -größe in Verbindung mit der Ventilatoreinstellung ist wichtig, um zuviel Besatz im Erntegut bzw. Kornverluste zu vermeiden. In feuchten Beständen kann die Überkehr stark belastet sein. Sie muß aus diesem Grund häufig kontrolliert werden, um Schüttlerverlusten und einem hohen Anteil geschälter Körner vorzubeugen. Nach der Ernte muß der Mähdrescher gut gereinigt werden, da auch trockenes Erntegut zu erheblichen Verunreinigungen und Korrosionen führen kann.

Bei der Ernte ist unbedingt darauf zu achten, daß die Körner so wenig wie möglich beschädigt werden, weil es sonst zur Bildung freier Fettsäuren kommen kann, die in der industriellen Verwendung zu erheblichen Problemen führen.

2.15 Ernterückstände

Nach der Ernte sollen die Ernterückstände gründlich zerkleinert und oberflächlich eingearbeitet werden, da niedergedrückte Stengel von den üblichen Strohhäckslern nicht immer erfaßt werden und die folgenden Bodenbearbeitungsgänge stören können. Zudem können dadurch auch Fruchtfolgekrankrankheiten, wie Phomopsis, wirkungsvoll unterdrückt werden. Im Hinblick auf die Bekämpfung von Ausfallsonnenblumen (vgl. Kap. 2.16) ist es ratsam, auf eine wendende Bodenbearbeitung zu verzichten, so daß sich der Einsatz von Scheibeneggen, Zinkenrotoren oder Fräsen anbietet.

2.16 Bekämpfung von Ausfallsonnenblumen

Dem Problem durch Ausfallsonnenblumen kann mit Bodenbearbeitungs- und Fruchtfolgemaßnahmen begegnet werden. Nach der Ernte empfiehlt sich, die Fläche im Herbst solange wie möglich unbearbeitet liegen zu lassen bzw. nur eine flache Bodenbearbeitung vorzunehmen, um die Körner nicht zu vergraben. Damit ist den Vögeln, die in diesem Fall ausnahmsweise erwünscht sind, die Möglichkeit gegeben, soviel wie möglich von den Ausfallsonnenblumen zu vertilgen. Wegen der Durchwuchsproblematik der Sonnenblume sollte auf eine Bodenbearbeitung mit dem Pflug verzichtet werden. Als Nachfrucht sollte Getreide angebaut werden, was eine einfache Bekämpfung auflaufender Sonnenblumen ermöglicht. Winterweizen ist die Nachfrucht der Wahl, da sie den hohen Vorfruchtwert der Sonnenblume gut ausnutzt und auch bei später Sonnenblumenernte eine Direktsaat (z.B. mit Horsch, Dutzi) noch möglich ist.

Darüber hinaus können Ausfallsonnenblumen in allen Kulturen bis zum 6-8 Blattstadium mit Herbiziden kontrolliert werden. In Getreide erfassen die meisten Breitband- und Wuchsstoffherbizide (DP-Mittel) sowie Sulfonylharnstoff-Mittel die Sonnenblumen gut. Gegen Spätkeimer kann bis Schoßbeginn des Getreides GropperÒ (30-40 g/ha) eingesetzt werden. Einen kostengünstige Lösung ist ebenfalls Refine Extra mit 40 g/ha (Achtung, keine Mischung mit Pyrazophos-haltigen Mitteln, wie z.B. DesganÒ ). In Roggen und Weizen kann auch ConcertÒ (90 g/ha) zur Anwendung kommen. Bei Wintergerste haben sich PointerÒ (25 g/ha) oder Tankmischungen aus 20 g/ha PointerÒ und 0,8 l/ha Starane 180Ò bewährt, da sie auch eine gute Wirkung gegen Klettenlabkraut aufweisen. In Sommergetreide können alle oben genannten Herbizide verwendet werden, aber die Konzentration von GropperÒ und ConcertÒ kann jeweils auf 25 bzw. 60 g/ha reduziert werden. Ausfallsonnenblumen in Mais können aber auch mit HarmonyÒ (10 g/ha in einer Tankmischung mit anderen Herbiziden) bekämpft werden. Bei Kartoffeln haben sich CatoÒ in der höheren Aufwandmenge (50 g/ha + 300 ml FHS) oder Sencor WGÒ mit 0,5-0,75 kg/ha im VA- bzw. 0,3-0,5 kg/ha im NA-Verfahren bewährt. In Zuckerrüben eignet sich der zweimalige Einsatz von Lontrel 100Ò mit jeweils 0,6 l/ha im Abstand von zwei Wochen oder eine einmalige Behandlung mit 1,2 l/ha. Auch kann DebutÒ in einer Tankmischung mit Betanal ProgressÒ mit der normalen Herbizidbehandlung zur Anwendung kommen. Die Applikation kann bis zum 2-Blattstadium der Sonnenblume bis zu dreimal mit jeweils 30 g/ha (+ FHS) erfolgen.

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