Pflanzung
Ansprüche an das Pflanzgut: Pflanztermin:Die Pflanzung sollte so schnell wie möglich nach dem letzten Spätfrost erfolgen, denn die Dauer der Vegetationsperiode hat maßgeblichen Einfluß auf die spätere Einlagerung von Reservestoffen und damit auf die Überwinterung der Pflanzen. Pflanzendichte:Hohe Pflanzendichten (z.B. 4 Pfl./m²) mindern zwar die Auswinterung im Etablierungsjahr, in den Folgejahren kommt es dann jedoch aufgrund zunehmender Konkurrenz häufig zu Ertragseinbußen. Pflanzgut:Es ist eine Auswahl überwinterungsfester Genotypen erforderlich, die zugleich den Anforderungen der Abnehmer entsprechen. Vermehrung:Grundsätzlich ist zu überdenken, ob die Mikrovermehrung die geeignete Vermehrungsmethode für Miscanthus ist. Dazu finden sich in der Literatur jedoch widersprüchliche Aussagen, nämlich daß die Mikrovermehrung die kräftigsten Pflanzen liefert (LEWANDOWSKI & KAHNT, 1995) bzw. daß die Rhizomvermehrung besser geeignet ist, etablierungssicheres Pflanzenmaterial zu produzieren (SCHWARZ et al., 1998; MÜNZER, 1998). Einige Arbeiten befassen sich auch mit der Samenvermehrung von Miscanthus (LEWANDOWSKI, 1998; DEUTER & ABRAHAM, 1998). Qualitätsansprüche an das Pflanzgut (nach KLUG (1994) und PUDE et al. (1997)Die wichtigste Voraussetzung für einen kräftigen Wuchs und eine hohe Etablierungsrate ist die Mehrtriebigkeit des Pflanzgutes. Optimale Wuchshöhen (aber auch nicht zu hoch) und eine rechtzeitige Pflanzgutlieferung sollten selbstverständlich sein. Quelle: PUDE, R. und FRANKEN, H., 1999: Miscanthus - Erfolgreiche Verarbeitung. - energie pflanzen III/IV 1998, 30-34.
BestandesdichteErträge auf dem Versuchsgut Dikopshof bei Köln in Abhängigkeit von der Bestandesdichte
DüngungErträge auf dem Versuchsgut Dikopshof bei Köln in Abhängigkeit von der N-Düngung
Ernte
Problemlose Miscanthus-Ernte Mitte März erfolgt die Miscanthus-Ernte auf dem Versuchsgut Dikopshof der Universität Bonn. Das Erntegut, bestehend aus den Stengeln und einem geringen Anteil an noch nicht abgefallen Blättern hat dann einen "akzeptablen" Feuchtegehalt von zirka 20 %. Während auf Praxisschlägen in Rheinland-Pfalz 20 ha Miscanthus mit der Power-Press von Deutz-Fahr einphasig geerntet werden, findet auf dem Dikopshof ein zweiphasiges Verfahren Anwendung. Zum Einsatz kommt hier ein John Deere Maishäcksler mit Kempervorsatz (Champion 300) des Lohnunternehmers Jürgen Mörtter aus Hennef sowie eine Großballenpresse. Wenn im Maishäcksler sämtliche Messer !! ausgebaut werden, verläuft der Einsatz problemlos. Das Erntegut von ca. 20 cm Länge wird unter dem Maishäcksler abgelegt und kann anschließend von der Pick up der Großballenpresse störungsfrei aufgenommen werden. Falls die bereits über Winter abgefallen Blätter noch recht feucht sind, kann die Pick up so eingestellt, daß diese Blätter nicht mit aufgenommen werden. Die Erträge liegen in Wesseling bei durchschnittlich 19,3 t TM/ha. Die Großballen werden anschließend von der Fensterfabrik Meeth aus Wallscheid abtransportiert. Aus dem Miscanthus, Lebensmittel-Kunstoffrecyling und Aluminiumrecyling werden dann in der Fensterfabrik nach einem patentierten Verfahren Fensterrahmen produziert. Aufgrund der Vorzerkleinerung durch den Maishäcksler kann dieses Miscanthus-Erntegut die Aufbereitungsstraßen in der Fensterfabrik wesentlich schneller passieren als das einphasig geerntete Miscanthus. Dr. Ralf Pude Verwertung
Fensterrahmen-ProduktionDaß auch die stoffliche
Nutzung von Miscanthus keine Zukunftsmusik mehr ist, zeigt die
Firma Meeth Fensterbau GmbH & Co. KG in Wallscheid/Rheinland-Pfalz.
Sie verarbeitet Miscanthus-Granulat zusammen mit Wertstoffen aus
dem Dualen System zu einem Verbund-material für den Fensterbau. ,,Wir
waren auf der Suche nach neuen Werkstoffen, wollten weg vom PVC", sagt
Geschäftsführer Kajo Meeth dazu. ,,Da bot die Kombination von Recyclingmaterial
und Miscanthus eine echte Alternative." Nun ist die Produktion
im Gange. Pro Jahr werden etwa 250.000 Fenster und rund 80.000 Haustüren
aus dem kostengünstigen Kombimaterial gefertigt. Zur Zeit wird noch mit
Strohanteilen gearbeitet, da noch nicht genug Miscanthus zur Verfügung
steht. Doch das wird sich mit der neuen Ernte ändern. Für die Materialbereitstellung
hat Meeth mit 22 Landwirten in Rheinland-Pfalz Anbauverträge über 47 ha
Miscanthus geschlossen. Außerdem stellt sie das Pflanzgut. Damit
ist für die Landwirte die Hürde der hohen Pflanzkosten genommen. Und für
den Rohstoff gibt es frei Werk ansprechende Preise von 180 bis 200 DM
pro Tonne TM! ,,Finanziell wird Miscanthus hier rentabel produziert
und verwertet. Das geht, weil man ihn technologisch an seiner starken
Seite packt", erläutert dazu Dr. Ralf Pude von der Universität Bonn. ,,Das
Gras steuert dem Verbundmaterial Biegefestigkeit und Leichtigkeit bei,
wie es mit anderen natürlichen Stoffen kaum zu erreichen ist."
UmbruchUmbruchversuch*: *) PUDE, R. und FRANKEN, H., 1999: Etablierungsverhalten der mehrjährigen nachwachsenden Rohstoffe Reynoutria bohemica und Miscanthus x giganteus. -(Die Bodenkultur, in Vorbereitung).
ÜberwinterungWiederaustrieb (%) einjähriger Miscanthus-Bestände bei unterschiedlichen Pflanzendichten / Pflanzgutqualitäten:
*) PUDE, R., 1997: Die Winterfestigkeit von Miscanthus in der Etablierungsphase. - Diss. Universität Bonn. Beiträge zu Agrarwissenschaften Bd. 14. ISBN 3-89573-037-8, Verlag M. Wehle, Witterschlick/Bonn. **) PUDE, R. und FRANKEN, H., 1997: Genotypenselektion von Miscanthus x giganteus hinsichtlich Auswinterung. - Schlußbericht über das Forschungsvorhaben 94NR105-F, Technische Informationsbibliothek (TIB), Hannover. ***) PUDE, R. und FRANKEN, H., 1999: Miscanthus - Erfolgreiche Verarbeitung. - energie pflanzen III/IV 1998, 30-34.
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