Miscanthus - Anbausteckbrief
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Vermehrungsmethoden
Erntemethoden



CHINASCHILF, MISCANTHUS

Miscanthus sinsensis (Thunberg) Miscanthus sachariflorus Miscanthus X giganteus GREFF et DEU.

Poaceae (Süßgräser)

 

Foto: IfuL Müllheim
Allgemeines
Miscanthusanbau in
Baden-Württemberg
:
1999: 79,7 Hektar

2000:

70,4 Hektar
Fruchtfolge: Mehrjähriger Feldanbau:
Chinaschilf wird als Dauerkultur angebaut, die 10 bis 20 Jahre genutzt werden kann. Aus dem unterirdischen Rhizomsystem des ausdauernden Chinaschilfs treiben alljährlich die oberirdischen Sprosse aus. Die Sprosse sterben im Herbst ab und können Ende des Winters als Trockenmaterial geerntet werden.
Ansprüche an
Standort und Boden:
Chinaschilf kann grundsätzlich auf den meisten Ackerflächen angebaut werden, die sich allerdings in einem guten Kulturzustand befinden sollten. Bezüglich Nährstoffen und Pflanzenschutz ist Chinaschilf anspruchslos.

Günstig Böden mit guter Wasserversorgung und Durchlüftung
Ungeeignet Verdichtete und staunasse Böden
Flachgründige Böden (zu wenig Wurzelraum).
Höhe Anbau bis max. 700 m.ü.NN
Wasser An sommertrockenen Standorten ist eine Bewässerung für eine maximale Wuchsleistung notwendig
Temperatur Anbau in den Maisanbauzonen 1 bis 3 (mittlere Jahrestemperaturen > 8°C)
Spätfröste schädigen die Jungtriebe stark!
Arten, Sorten: Miscanthus sinensis
Miscanthus sacchariflorus
Miscanthus x giganteus
Vermehrung / Anzucht / Pflanzgut
Vermehrung: Da unter mitteleuropäischen Klimabedingungen keine natürliche Vermehrung über Saatgut möglich ist, erfolgt diese vegetativ über Rhizomteilung bzw. Gewebekulturen. Die Pflanzen werden aus Rhizomen oder Gewebekulturen angezogen und im Frühjahr oder Frühherbst geteilt. Nachdem sie weiter herangewachsen sind, werden sie im Spätfrühjahr oder Frühsommer ausgepflanzt.

Grundsätzlich ist zu überdenken, ob die Mikrovermehrung die geeignete Vermehrungsmethode für Miscanthus ist. Dazu finden sich in der Literatur jedoch widersprüchliche Aussagen, nämlich daß die Mikrovermehrung die kräftigsten Pflanzen liefert (LEWANDOWSKI & KAHNT, 1995) bzw. daß die Rhizomvermehrung besser geeignet ist, etablierungssicheres Pflanzenmaterial zu produzieren (SCHWARZ et al., 1998; MÜNZER, 1998). Einige Arbeiten befassen sich auch mit der Samenvermehrung von Miscanthus (LEWANDOWSKI, 1998; DEUTER & ABRAHAM, 1998).

Information zu Vermehrungstechniken finden Sie hier
Qualitätsansprüche an das Pflanzgut: Es ist eine Auswahl überwinterungsfester Genotypen erforderlich, die zugleich den Anforderungen der Abnehmer entsprechen. Die wichtigste Voraussetzung für einen kräftigen Wuchs und eine hohe Etablierungsrate ist die Mehrtriebigkeit des Pflanzgutes. Optimale Wuchshöhen (aber auch nicht zu hoch) und eine rechtzeitige Pflanzgutlieferung sollten selbstverständlich sein (PUDE, R. und FRANKEN, H., 1999: Miscanthus - Erfolgreiche Verarbeitung. - energie pflanzen III/IV 1998, 30-34)
Ein-/Mehrtriebigkeit junger Miscanthuspflanzen (Fotos)
Pflanzung
Bodenvorbereitung: Gute tiefe, Lockerung mit Pflug im abgetrockneten Boden, ca. 20 cm tief
Vorbeugende Unkrautbekämpfung mit Egge (2x)
Pflanzung in Frässtreifen ist möglich
Pflanztermin: Mitte Mai bis Mitte Juni
Die Pflanzung sollte so schnell wie möglich nach dem letzten Spätfrost erfolgen, denn die Dauer der Vegetationsperiode hat maßgeblichen Einfluß auf die spätere Einlagerung von Reservestoffen und damit auf die Überwinterung der Pflanzen.
Pflanzmethode: Es können die im Gemüse- oder Tabakbau üblichen Setzmaschinen benutzt werden
Pflanzendichte: 1 Pflanze/m2
Beachte: Hohe Pflanzendichten (z.B. 4 Pfl./m²) mindern zwar die Auswinterung im Etablierungsjahr, in den Folgejahren kommt es dann jedoch aufgrund zunehmender Konkurrenz häufig zu Ertragseinbußen.
Forschungsergebnisse: Erträge auf dem Versuchsgut Dikopshof bei Köln in Abhängigkeit von der Bestandesdichte
Reihenabstand: 0,8-1,5 m
An die mechanische Unkrautbekämpfung (Hackgerät) anpassen
Pflanztiefe:
auf leichten Böden 5 cm
auf schweren Böden 1-2 cm
Bewässerung: Reichliche Bewässerung ist für ein gutes Anwachsen der Setzlinge erforderlich, vor allem bei trockener Witterung.
Überwinterung: Problem: Gefahr der Auswinterung im 1. Pflanzjahr
Auswinterungsverluste
Düngung und Pflege
Düngung:
Im Pflanzjahr
  Keine Düngung erforderlich
Ab dem 2. Jahr
 
 
Düngungsnorm (kg/ha)
Nettonährstoffbedarf *) für Integrierten Pflanzenbau (kg/ha)
N
30-50
30
P2O5
30-50
40
K2O
50-100
75
Mg
0
0
*) Nettonährstoffbedarf = Düngungsnorm minus anrechenbare Nährstoffe im Ernterückstand. Die Werte in dieser Spalte können in die Nährstoffbilanz LBL / SRVA übernommen werden (Quelle: FAL)

Vorsicht mit Gülle über Blätterteppich am Boden.

Erträge auf dem Versuchsgut Dikopshof bei Köln in Abhängigkeit von der N-Düngung (Pude)
Pflege: Unkrautbekämpfung:
Im Pflanzjahr
  Chinaschilf ist im Pflanzjahr konkurrenzschwach und bedarf intensiver Unkrautbekämpfung sowie ausreichender Wasserversorgung.

Hacken Unkraut im Keimblattstadium bekämpfen.
Striegeln ist in jungen Beständen möglich.
Hacken mit Maishackgeräten; vorsichtiges Hacken verhindert Verletzungen an den Trieben der Chinaschilfpflanzen.
Herbizideinsatz Eventuell - die chemische Bekämpfung erfolgt nach der Pflanzung.

Bewilligte Herbizide im Chinaschilf 1996 Schweiz (FAL)
Ab dem 2. Jahr
  Im Frühjahr des 2. Standjahres - falls nötig - die letzte Unkrautbekämpfung durchführen.

Krankheiten, Schädlinge
: Bis jetzt keine Bedeutung
Ernte
Zeitpunkt: Im 1. Jahr findet keine Ernte statt. Massebildung erst im 2 Jahr, auf ca. 3 m Höhe
Geerntet wird ab dem 2. Jahr von Ende Februar bis April, d.h. am Ende des Winters bevor die neuen Sprosse austreiben.
Zum Erntezeitpunkt sollte die Feuchtigkeit der Pflanzen weniger als 20 % betragen.
Erntemethoden /
-techniken
Das Ernteverfahren muß mit den Abnehmern abgesprochen werden, da je nach Transport, Lagerung und beabsichtigter Verwendung unterschiedliche Anforderungen an das Erntegut gestellt werden.

Hier klicken, um zu erfahren, wie auf dem Versuchsgut Dikopshof der Universität Bonn (Dr. Ralf Pude) Miscanthus geerntet wird (einphasig vs. zweiphasig)
Erträge:
Die Erträge hängen nicht nur vom Alter der Bestände ab, sondern auch von der Bestandesdichte bei der Pflanzung und anderen Faktoren. Als Anhaltspunkt:

Pflanzjahr kein Ertrag
2. Aufwuchs 8-10 t/ha (mpiz Köln)
3. Aufwuchs und folgende 20-30 t/ha TM bei 4-5 m Höhe (mpiz Köln)
Rodung: Nach der Ernte pflügen und Einsaat einer Kunstwiese.
Häufiger Schnitt
Umbruch: 1. Grubbern
2. Spritzen: Abspritzen des Bestandes ab einer Wuchshöhe von 20 cm
3. Mähen: regelmäßiges Abmähen des Aufwuchses ab einer Wuchshöhe von 20 cm
Umbruchversuch *) PUDE, R. und FRANKEN, H., 1999: Etablierungsverhalten der mehrjährigen nachwachsenden Rohstoffe Reynoutria bohemica und Miscanthus x giganteus. -(Die Bodenkultur, in Vorbereitung).
Überwinterung: Die Auswinterungsverluste v.a. im Pflanzjahr können sehr hoch sein.
Der Wiederaustrieb von Miscanthus-Beständen in der Etablierungsphase ist abhängig von der Pflanzdichte und dem Düngemitteleinsatz. Verschiedene Miscanthus-Genotypen weichen bezüglich des Wiederaustriebs stark voneinander ab.
Für detailierte Forschungsergebnisse s. Dr. Pudes Miscanthus-Seiten (Wiederaustrieb (%) einjähriger Miscanthus-Bestände bei unterschiedlichen Pflanzendichten / Pflanzgutqualitäten)
Quellen: Faltblatt der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL) und der Landwirtschaftlichen Beratungszentrale, CH (LBL)
und www.miscanthus.de (Dr. Ralf Pude) u.a.