Kenaf Hibiscus cannabinus


Prüfung des Anbaus von Kenaf (Hibiscus cannabinus L.) in Baden-Württemberg und der Schweiz

M. Konermann , R. Vetter *, V. Mediavilla **
* Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung, Auf der Breite 7 , D-79379 Müllheim
** Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau, Reckenholzstrasse 191, CH-8046 Zürich

1 Einleitung

Zusammenarbeit

Die im Anschluß dargestellten Ergebnisse sind Teil eines Projektes des Grenzüberschreitenden Instituts zur rentablen umweltgerechten Landbewirtschaftung (ITADA - Institut Transfrontalier d’Application et de Développement Agronomique). Die Zusammenarbeit ergibt sich aus der Lage des Instituts im 3-Ländereck ( Deutschland, Frankreich, Schweiz).

Botanik von Kenaf

Kenaf (Hibiscus cannabinus L.) gehört zur Familie der Malvengewächse. Sie ist eine wärmeliebende Pflanze, die aus dem afro-asiatischen Raum stammt und in Europa auf Körnermaisstandorten gedeiht. Kenaf ist in Mitteleuropa einjährig, könnte aber ohne Frost mehrjährig sein. Der Wärmebedarf ist sehr hoch. Für das Wachstum benötigt die Pflanze 16°C, das Optimum liegt bei 25 °C (Amaducci und Venturi 1994). Der Name Cannabinus (hanfartig) läßt sich aus der Blattform, die den Fingerblättern des Hanfs ähnlich ist, ableiten.

Faser

Die Kenaffasern werden aus dem Bast gewonnen. Sie sind 1,5 bis 6 mm lang und können rein mechanisch aufgeschlossen werden. Aus der Faser können papierähnliche Produkte, Abdeckfolien, sowie Schnüre oder Säcke hergestellt werden.

 

2. Versuche zum Kenafanbau in Baden-Württemberg und der Schweiz

In Baden-Württemberg hat 1995 erstmals ein Praxisanbau von Kenaf stattgefunden, demgegenüber liegen in der Schweiz bereits mehrjährige Anbauerfahrungen vor (Mediavilla et al. 1997).

Die Versuche zum Kenafanbau beziehen sich auf das Anbaujahr 1996.

Die Aussaat erfolgte im letzten Jahr Ende Mai, als keine Gefahr von Nachtfrösten mehr bestand (Tab.1). Nach der Saat erfolgt sehr schnell die Keimung und Bildung der ersten 2-4 Blätter. Nach dieser ersten schnellen Entwicklungsphase tritt der Kenaf in eine langsame Jugendentwicklung ein. Während dieser Zeit ist er sehr empfindlich gegenüber den schnellwachsenden Unkräutern. Trotz einer Vorauflaufbehandlung (VA), war eine zusätzliche mechanische Unkrautbekämpfung notwendig. Die Stickstoff (N)-Düngung von 80kg N/ha erfolgte in 2 Teilgaben bzw. je nach Versuchsfrage. Erst Anfang August beginnt der Kenaf sein Streckungswachstum, wobei er Höhen von etwa 2,5 m erreicht. Vereinzelt kommt es auch im Spätsommer noch zur Blütenbildung, aber die Blüten bleiben geschlossen und eine Samenbildung ist in unseren Breiten nicht möglich. Im Herbst verliert die Kultur die gesamte Blattmasse aufgrund der ersten einsetzenden Fröste, aber auch aufgrund des starken Befalls mit Grauschimmel (Botrytis cinerea). Über Winter bleiben nur noch die Kenafstengel auf dem Feld stehen. Der Wassergehalt der Stengel sinkt bis in den Monat Februar auf 30-35 % ab, so daß die Ernte ohne Nachtrocknung möglich ist.

Deutschland

Schweiz

Steinenstadt

Biengen

Zürich

Niederschläge (langjährig)

650 mm

600 mm

1010 mm

Temperatur (langjährig) °C

9,5

9,5

7,8

Höhe über NN

235

212

440

Boden

Braunerde

Braunerde

Braunerde

Vorfrucht

Mais

Mais

Ackerbohnen

Aussaat

23.05.96

28.05.96

31.05.96

Pflanzenschutz

Buctril (VA)

und Hacke

Stomp SC + Roundup (VA) und Hacke

Stomp SC (VA)

und Hacke

Ernte 1.Termin

3.11.96

6.11.97

8.10.96

Ernte 2.Termin

03.03.97

13.02.97

15.01.97

Tab. 1 Beschreibung von Standort, Klima und Anbaumaßnahmen

 

3 Versuchsfragen und Ergebnisse

3.1 Welche Sorten geben den höchsten Ertrag ? Einfluß der Sorten auf den Stengelertrag

Abb. 1 Einfluß der Sorten auf den Stengelertrag

Der erste Erntetermin im Herbst 1996 zeigt das potentielle Ertragsniveau von Kenaf, welches 1996 bei einem Düngungsniveau von 80 kg N/ha zwischen 20 und 85 dt/ha schwankte (Abb.1). Zu diesem Zeitpunkt ist aber eine Ernte in der Praxis noch nicht möglich, da der Trockenmasse (TM)-Gehalt bei nur 15 -20% liegt. Im Frühjahr 1997 ist die Stengelmasse dann auf 70 % abgetrocknet und somit ohne Nachtrocknung erntefähig. An allen Standorten und bei allen Sorten zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Stengeltrockenmasse vom Herbst- zum Wintererntetermin.

Anhand der Ertragszahlen zeigt sich ein deutlicher Standort-, aber auch Sortenunterschied. Der Standort Biengen ist über alle Sorten hinweg am ertragreichsten. Die Sorte Tainung 22 hat signifikant höhere Erträge gegenüber den anderen Sorten, demgegenüber ist die Sorte Cubano am ertragschwächsten.

 

3.2 Wie wirkt sich die Düngung auf den Ertrag aus ? Einfluß der N-Düngung auf den Stengelertrag

Abb.2 Einfluß der N-Düngung auf den Stengelertrag; Sorte Tainung 2

Der Einfluß der N-Düngung (mineralisch) auf den Stengelertrag erweist sich als verhältnismäßig gering (Abb.2). Der Standort in der Schweiz (Zürich) reagiert mit den deutlichsten Ertragssteigerung auf die N-Düngung. Demgegenüber sind am deutschen Standort Steinenstadt kaum Ertragssteigerungen bei höherer Düngungsintensität aufgetreten. Am Standort Biengen nimmt der Fasergehalt tendenziell mit zunehmender N-Düngung ab (0 kg N/ha-Variante: 36% Fasergehalt und 30+60+60 kg N-Variante nur noch 28%).

Deutlich erkennbar ist wiederum der Ertragsabfall zwischen den beiden Ernteterminen.

 

3.3 Welches ist die ideale Saatdichte ? Einfluß der Bestandesdichte auf den Stengelertrag

Abb. 3 Einfluß der Bestandesdichte auf den Stengelertrag, Sorte Tainung 2

In der Schweiz liegen die gesamten Erträge tendenziell höher als in Deutschland(Abb.3). Die Saatstärke und die daraus resultierenden Bestandesdichten zeigen durchaus einen Einfluß auf den Stengelertrag. Am Standort Zürich steigt der Stengelertrag, speziell beim zweiten Erntetermin, mit steigender Bestandesdichte(bei 80 Pfl./m2 wird der höchste Ertrag erzielt). In Deutschland ist diese Tendenz nicht so stark ausgeprägt, aber bei der Faseranalyse zeigt sich, daß sowohl der Fasergehalt als auch die Faserfestigkeit mit höherer Bestandesdichte zunehmen.

 

4 Konsequenzen für den Praxisanbau

Die ersten Versuche zeigen, daß Erträge zwischen 20 bis 80 dt TM/ha Stengel möglich sind. Die Erträge schwanken stark zwischen den einzelnen Standorten. Die aus Afrika stammende Kultur ist stark frühfrostempfindlich und hat einen sehr hohen Wärmebedarf. Außerdem tritt ein starker Befall mit Botrytis cinerea auf. Zur Zeit gibt es dagegen in der Praxis noch keine Bekämpfungsmöglichkeit. Inwieweit der Befall die Faserqualität beeinflußt, muß noch geklärt werden. Die große Inhomogenität der untersuchten Fasern dürfte aber sicherlich auch darauf zurückzuführen sein.

In Deutschland ist der Kenaf zur Zeit nur auf guten Standorten in der südlichen Rheinebene anbauwürdig. Aufgrund der fehlenden Absatzwege und der fehlenden Beihilfen ist der Praxisanbau im letzten Jahr zum Erliegen gekommen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, daß Kenaf als Faserpflanze in Zukunft durchaus interessant sein kann.

5 Literatur

Amaducci M.T.und Venturi G.,1994. Caratteristiche botaniche, biologiche ed esigenze. Il kenaf: materia prima per l’industria, Vannini L. und Venturi G. (hrsg), L’Informatore Agrario, 21-28

Mediavilla V. et al. 1997: Kenaf - eine geeignete Faserpflanze für die Schweiz? in Agrarforschung 4(1): 31-34