THC-Gehalt von Industriehanf-Sorten

V. Mediavilla und R. Brenneisen, 1996 Mitt. Ges. Pflanzenbauwiss. 9: 243-244

Bedeutung des THC

Die Nutzung von Hanf (Cannabis sativa L.) als Rohstoffpflanze wird in vielen europäischen Ländern neu geprüft. In den letzten Jahrzehnten wurde sein Anbau wegen des Gehaltes an berauschenden Stoffen fast überall verboten. Die psychoaktive Wirkung des Hanfes stammt aus dem D 9-Tetrahydrocannabinol (THC). THC und andere Substanzen (zum Beispiel Cannabidiol, CBD) gehören zur Gruppe der nur in Cannabis vorkommenden Cannabinoide.

Dank Anstrengungen in der Züchtung wurden Industriehanf-Sorten selektiert, die einen sehr niedrigen THC-Gehalt aufweisen (tiefer als 0,5%). Mit diesen Sorten ist ein allfälliger Missbrauch nicht möglich (Karus et al. 1995). In vielen Ländern ist deshalb nur der Anbau solcher THC-armer Sorten gestattet. In der Schweiz dürfen als nachwachsender Rohstoff nur Sorten angebaut werden, die in einer bindenden Sortenliste aufgeführt sind. Als Grenze gilt je nach Land 0,3 oder 0,5% THC. Es existieren ausserdem weitere Kriterien, um Hanfphänotypen zu unterscheiden. Eine häufig verwendete Methode besteht darin, das Verhältnis THC/CBD zu berechnen. Wenn es höher als 1 ist, deutet dies auf einen Drogentyp hin (de Meijer et al. 1992).

Unserer Arbeit bestand darin, auf Hanf-Praxisfeldern, die im Projekt „Anbau von nachwachsenden Rohstoffen" zugelassen sind, den THC-Gehalt zu bestimmen, sowie auf Versuchsparzellen an verschiedenen Standorten weitere Sorten zu untersuchen.

 

Probenahme und Analyse der Cannabinoide

Die Entnahme der Proben wurde gemäss de Meijer et al. (1992) durchgeführt. Pro Probe wurden die obersten 30 cm von 30 Blüten weibliches Habitus (weiblich oder einhäusig) geerntet und bei 40 oC getrocknet. Für die Analyse wurden Samen und Stengel ausgeschieden.

Die THC- und CBD-Analyse fand mit Gaschromatographie statt. Das Extraktionsmittel war Methanol-Chloroform (9:1). Bestimmt wurde der THC- und CBD-Gehalt als Summe von THC und THC-Säuren bzw. CBD und CBD-Säuren und bezogen auf die Trockensubstanz.

 

Ergebnisse und Diskussion

Die in der Schweiz geltende Grenze von 0,5% THC wurde bei den analysierten Sorten selten überschritten (Abbildung 1). Die französischen Sorten Fedora 19, Felina 45 und Futura 77, sowie die ungarischen Sorten Kompolti und Uniko-B lagen klar darunter. Ein einziger Wert bei Futura 77 lag mit 1,17% THC höher. Sein CBD-Gehalt war ebenfalls sehr hoch, so dass das Verhältnis THC/CBD 0,33 betrug. Nach der Definition, die das THC/CBD-Verhältnis berücksichtigt, galt diese Probe trotzdem als Industriehanf. Einige Proben der Sorte Kompolti Hybrid TC lagen höher als 0,5%. Aus diesem Grund kann diese Sorte für den Anbau nicht zugelassen werden.

Einzelne Pflanzen eines Feldes (Sorte Futura 77) wiesen unterschiedliche THC- und CBD-Gehalte auf, obwohl sie morphologisch gleich aussahen (Abbildung 2a). Einige dieser Individuen wiesen bis 0,95% THC, andere bis 2,45% CBD auf. Die Bedeutung einer genügend grossen Individuenzahl bei der Probenahme konnte so gezeigt werden.

Der THC-Gehalt der Sorte Fedora 19 stand in keiner Abhängigkeit zur Höhe über Meer, wo der Anbau stattfand (Abbildung 2b). Dies widerspricht der häufigen Aussage, wonach der THC-Gehalt mit der Höhe über Meer zunimmt.

Abbildung 1: THC- und CBD-Gehalt der Sorten Fedora 19, Felina 34, Futura 77, Kompolti, Kompolti Hybrid TC und Uniko-B in den Jahren 1993, 1994 und 1995. (n=Anzahl Analysen, gestrichelte Linie=THC-Grenze für Industriehanf-Sorten in der Schweiz)

Abbildung 2: a) THC- und CBD-Gehalt von 19 zufällig ausgewählten Einzelpflanzen und einer Mischprobe der Sorte Futura 77. b) THC-Gehalt der Sorte Fedora 19 in Abhängigkeit der Höhe über Meer in den Jahren 1993, 1994 und 1995 (48 Analysen).

Fazit

Die Industriehanf-Sorten Fedora 19, Felina 34, Futura 77, Kompolti und Uniko-B weisen einen THC-Gehalt auf, der konstant tiefer als 0,5% liegt. Für den Anbau als nachwachsender Rohstoff sollen sie weiterhin erlaubt werden. Für die Beurteilung der Phänotypen soll auch das CBD berücksichtigt werden.

Literatur

De Meijer E.P.M.; Van der Kamp H.J.; Van Eeuwijk F.A. Characterisation of Cannabis accessions with regard to cannabinoid content in relation to other plant characters. Euphytica. 1992; 62: 187-200.

Karus M.; Grotenhermer F.; Schaaf H. Missbrauchspotential THC-armer Faserhanfsorten als Rauschdroge. Nova-Institut (Hrsg.): Biorohstoff Hanf, Reader zum Symposium, Frankfurt 2.-5.3.1995. 1995.

 

Dank

Das Projekt wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft in Bern finanziert. Wir danken für die Unterstützung.