Forschungsprojekte
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| Projektleitung: | Eidgenössische
Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL) -Zürich-
Reckenholz, Schweiz |
| Projektpartner: | Institut
für umweltgerechte Landbewirtschaftung (IfUL), Müllheim, Deutschland |
| Beteiligt: | Service
dUtilité Agricole et de Développement, (SUAD), Frankreich Institut für Pflanzenbau, Universität Hohenheim Landesanstalt für Pflanzenbau, (LAP), Forchheim |
Das trinationale ITADA-Projekt beschäftigt sich mit dem Anbau und der Markteinführung von Faserpflanzen. Hanf, Kenaf und Miscanthus werden in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen als nachwachsende Rohstoffe zur Fasernutzung angebaut.
Hanf (Cannabis sativa) ist eine mitteleuropäische Kulturpflanze, deren Anbau aufgrund des Betäubungsmittelgesetzes in Deutschland verboten war und erst 1996 unter Auflagen wieder zugelassen wurde. Im Dezember 1996 ging in Malsch, bei Karlsruhe, die erste bundesdeutsche Hanffaseraufbereitungsanlage in Betrieb. 1996 wurden in Baden-Württemberg 189 ha und 1997 bereits 429 ha Hanf von 115 Landwirten angebaut. Die Landwirte haben somit erste Anbauerfahrungen sammeln können. In der Schweiz gibt es schon seit mehreren Jahren einen begrenzten Anbau. In Frankreich findet EU-weit der flächenmäßig größte Anbau von Hanf statt. Im Elsaß wird aber bisher kein Hanf angebaut.
Daneben steht den Landwirten die Faserpflanze Kenaf (Hibiscus cannabinus) zur Verfügung. Der Kenaf ist eine einjährige Pflanze, die aus dem afro-asiatischen Raum stammt und in Europa auf Körnermaisstandorten gedeiht. In Baden-Württemberg hat 1995 erstmals ein Praxisanbau von Kenaf stattgefunden. Demgegenüber liegen in der Schweiz bereits mehrjährige Anbauerfahrungen vor. Mangels Nachfrage ist der Anbau zwischenzeitlich aber nahezu zum Erliegen gekommen.
Auf Stillegungsflächen wird in Deutschland, Frankreich und der Schweiz seit einigen Jahren auch Miscanthus (Miscanthus sinensis) angebaut. Miscanthus ist eine mehrjährige Pflanze, die sowohl zur thermischen Nutzung, als auch bei der Entwicklung von Produkten im Verpackungs-, Isolations-, oder im Kunststoffbereich Verwendung finden kann.
Das Projekt soll Grundlagen für eine effiziente und umweltfreundliche Erzeugung hochwertiger Biorohstoffe im Faserpflanzenanbau liefern. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei vor allem auf die Sortenwahl, Anbautechnik, Umweltverträglichkeit (bezgl. Stickstoff) , Flächenertrag und Faserqualität gelegt.
Andererseits gilt es, einen Marktzugang für die Hanf-, Kenaf- und Miscanthusfasern in der Industrie zu finden. Mögliche Absatzmärkte sind die Textil-, Papier-, Baustoff- und Kunststoffindustrie.
Beim Hanf wird neben der reinen Fasernutzung auch die Doppelnutzung von Fasern und Samen angestrebt und untersucht. Die schweizer Landwirte haben aus den Hanfblüten zum Teil auch noch ein ätherisches Öl gewonnen und vermarktet.
Um die Anbauverfahren von Hanf und Kenaf zu prüfen, wurden mehrere Feldversuche an verschiedenen Standorten im Oberrheingebiet und in der Schweiz angelegt.
Beim Hanf wurden Feldversuche (vollrandomisierte Versuchsparzellen mit jeweils 4 Wiederholungen) zur Beurteilung des Massenertrages (Stengel und Körner) und zur Analyse der Faser- und Samenqualität angelegt.
Versuchsfragen:
- Welche Sorten erreichen den höchsten Faser-/Faser-und Samenertrag?
- Wie wirken sich Saatdichte und N-Düngung auf den Ertrag aus?
- Wie wirkt sich die Saatzeit (Zweitfrucht) auf den Ertrag aus?
Die Ertragsleistung von Kenaf wurden ähnlich wie beim Hanf in Feldversuchen an jeweils verschiedenen Standorten durch Parzellenversuche geprüft.
Für Miscanthus wurden keine neuen Versuche angelegt. Für die Abklärung des langfristigen Ertragspotentials werden schon bestehende Versuche weiterverfolgt.
1996/97 wurden die Versuchsparzellen angelegt und somit liegen die ersten, vorläufigen Ergebnisse vor:
Beim Hanfanbau zeigt sich, daß im Versuchsanbau Stengeltrockenmasseerträge von bis zu 130 dt/ha möglich sind (siehe Abb.1). Die Erträge werden sowohl von dem Standort, als auch von der Höhe der N-Düngung stark beeinflußt. Der Einfluß der Bestandesdichte ist demgegenüber eher gering.

Abbildung 1
Bei entsprechender Sortenwahl (z.B. Sorte Fedora) können neben der reinen Fasernutzung auch noch Kornerträge von bis zu 14 dt/ha erzielt werden.
Artikel: Optimierung
der Stickstoffdüngung und Saatmenge im Hanfanbau
Beim Kenafanbau zeigen sich sehr große Ertragsunterschiede (von 22 bis 76 dt Trockenmasse je Hektar), wobei in erster Linie der Standort als begrenzender Ertragsfaktor anzusehen ist. Neben der Ertragsermittlung wurde auch eine Analyse der Fasern durchgeführt.
Die Ergebnisse der Analyse zeigen, daß tendenziell mit höherer Bestandesdichte auch die Faserfestigkeit und der Fasergehalt (prozentual) steigt (siehe Abb. 2).

Abbildung 2
Artikel: Prüfung des Anbaus von Kenaf (Hibiscus cannabinus L.) in Baden-Württemberg und der Schweiz
Möglichkeiten einer Markteinführung
Die Fasern können je nach Faserlänge, Ernte- und Weiterverarbeitungsverfahren sowohl als Textil, als auch als Spezialpapiere, Formpreßteile in der Autoindustrie, als Dämmstoffe, oder als Glasfaserersatz in der Kunststoffindustrie Verwendung finden.
Die Markteinführung von Hanffasern ist bisher am weitesten fortgeschritten. So gibt es in Baden-Württemberg einen Dämmstoff aus bundeseigener Hanfproduktion. Neben den Fasern werden die Schäben (Abfallprodukt bei der Fasergewinnung) als Tiereinstreu vermarktet. Weiterhin können die bei der Doppelnutzung anfallenden Samen vermarktet werden.
Bei der Ausnutzung aller Vermarktungsmöglichkeiten kann für den Landwirt, insbesondere der Anbau von Hanf eine interessante Alternative zu den bisherigen Kulturen sein.
| Ansprechpartner/in: | Mechtild Konermann, IfUL Müllheim, Tel.: 0(049) 7631 368463, Fax: -30, |
| eMail: poststelle@iful.bwl.de | |
| Vito Mediavilla |