Da der Hanf eine kurze Vegetationsdauer aufweist, während der er hohe Mengen an Biomasse bildet, müssen die Nährstoffe im richtigen Moment und in einer gut verfügbaren Form vorliegen (Berger 1969). Dies gilt vor allem für den Stickstoff. Muss deshalb eine allfällige N-Düngung möglichst früh, zum Beispiel bei der Saat oder zum Auflaufen stattfinden?

Der Vergleich zwischen den Düngungsverfahren N3 (erste Gabe beim Auflaufen und zweite bei 20 cm Pflanzenhöhe) und N2 (alles bei 20 cm Pflanzenhöhe) erlaubt eine interessante Beobachtung bezüglich Zeitpunkt der N-Düngung. Der Stengelertrag im N3-Verfahren war mit der Saatmenge 10 kg/ha signifikant kleiner als im N2-Verfahren (Tab. 5). Da die Bestandesdichte in diesem Fall sehr niedrig war (rund 50 Pflanzen/m2) vermuten wir, dass die N-Gabe beim Auflaufen nicht ganz aufgenommen und mit den Niederschlägen zum Teil ausgewaschen wurde. Bei den anderen Saatmengen, wo die Bestandesdichte höher war, war dies offensichtlich nicht der Fall. Um die Verluste möglichst klein zu halten, ist vor allem bei niedriger Bestandesdichte nicht zu früh mit Stickstoff zu düngen. Wir empfehlen deshalb, den Hauptteil der N-Gabe bei einer Pflanzenhöhe von 20 bis 30 cm zu verabreichen.

Werden die Hanfstengel auf dem Feld am Boden trocknen gelassen, fallen Blätter und Blüten ab. Mit dem Erntegut werden daher praktisch nur die Stengel weggeführt. Der Stengelentzug entspricht damit dem reellen Entzug aus dem Feld. Wir konnten diesbezüglich je nach N-Düngung in den Stengeln 14 bis 45 kg N, 21 bis 33 kg P2O5, 61 bis 183 K2O und 4 bis 8 kg Mg pro Hektar messen (Tab. 3). Ähnliche Zahlen werden auch von Berger (1969) berichtet. Mit zunehmender Saatmenge nahmen generell die Entzüge zu (Tab. 4). Insbesondere die N- und P2O5-Entzüge waren von der N-Düngung und der Saatmenge stark abhängig. In Blättern und Blüten waren die Entzüge zwar höher als in den Stengeln, die Nährstoffe verlassen das Feld aber nur mit einer Ganzpflanzenernte.

Bei der Gestaltung der Düngung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Die Stickstoffmineralisierung im Boden muss berücksichtigt werden. Zusätzlich sollen erntetechnische, wirtschaftliche und ökologische Überlegungen angestellt werden (Tab. 6). Die Rentabilität der N-Düngung bezogen auf das Ernteprodukt (Stroh, Samen) ist kaum gegeben, so lange die Rohstoffpreise tief sind und der grösste Teil des Deckungsbeitrags durch die Direktzahlung zustande kommt. Weiter ist zu beachten, dass der ökologische Wert nachwachsender Rohstoffe nur zum Tragen kommt, wenn durch sie fossile Rohstoffe eingespart werden können. Trotz einer starken Ertragswirkung der N-Düngung ist die Nutzwirkung verhältnismässig bescheiden.

Der Rohstoffertrag kann optimiert werden, indem für Faserhanf 85 bis 120 und für Körnerhanf 50 bis 85 kg N/ha gedüngt werden. Ist keine Erfahrung mit der Ernte vorhanden, sollten die N-Gaben reduziert werden. Ausserdem sollten 30 kg P2O5, 120 kg K2O und 6 kg Mg zugefügt werden. Hofdünger können verwendet werden, ihre Wirkung ist aber begrenzt.

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