Anbau
von Energiepflanzen - Ganzpflanzengewinnung mit verschiedenen Beerntungsmethoden
(ein- und mehrjährige Pflanzenarten); Schwachholzverwertung
J. Maier; R. Vetter1 und V. Siegle2
1994 - 1997
1Institut
für umweltgerechte Landbewirtschaftung Müllheim 2Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen, Universität
Stuttgart
Problemstellung
Die Mitverbrennung von weitgehend CO2neutraler fester Biomasse
in vorhandenen Steinkohlekraftwerken wird als eine Möglichkeit diskutiert, schnell
und mit geringerem lnvestitionsbedarf als bei neu einzurichtenden Biomasseanlagen
die Ziele der Klimakonferenzen - d.h. vor allem die Reduktion des CO2-Ausstoßes
- kurz- bzw. mittefristig umzusetzen. Neben sowieso vorhandenen Biomassen wie
Restholz und Stroh könnte durch speziell angebaute Energiepflanzen das verfügbare
Potential an nutzbaren Biomassen im Umkreis eines Kraftwerkes erhöht werden.
Ziel
Prüfung verschiedener ein- und mehrjähriger landwirtschaftlicher Kulturen
auf ihre Anbaueignung als Festbrennstoff. Außerdem werden ihre Brennstoffeigenschaften
(sowie das von Waldresthölzern) und dasVerbrennungsverhalten in einer
Kohlestaubfeuerung untersucht. Die Energiebilanz und wirtschaftliche Aspekte werden
berücksichtigt.
Untersuchungsmethode
Die 17 untersuchten Kulturpflanzen wurden an insgesamt 5 Standorten der Rheinebene
und des Albvorlandes auf Großparzellen angebaut, um auch die Beerntung mit landwirtschaftlichen
Erntemaschinen zu prüfen. Sie wurden - ebenso wie Waldrestholzsortimente - in
einer 500 kW-Kohlestaubverbrennungsanlage hinsichtlich . Verbrennungsverhalten
resp. Emissionsverhalten bei unterschiedlichen Beimischungsanteilen der Mitverbrennung
untersucht.
Ergebnis
1. Unter den beiden pedoklimatisch unterschiedlichen Standortbedingungen können
mit unterschiedlichen ein- und mehrjährigen Kulturen unter Praxisbedingungen Erträge
von 50 bis 150 dt TM/ha Energieganzpflanzen erzielt werden. Bei den einjährigen
Kulturen ragt die Hirse und der Hanf mit potentiellen Erträgen von über 200 bzw.
150 dt TM/ha heraus. Dem Hanf vergleichbar sind die gebildeten Erträge von Maisganzpflanzen,
die damit auf etwas höherem Ertragsniveau als die untersuchten Wintergetreideganzpflanzen
liegen. Wintertriticale zeigt das höhere Ertragspotential gegenüber Winterroggen
und Wintergerste. Das Sommergetreide liegt mit seinen Ganzpflanzenerträgen im
Bereich zwischen 50 und 100 dt TM/ha und damit unter dem Niveau des Wintergetreides.
2. Der für eine Mitverbrennung in Kohlekraftwerken wegen des Mahlvorganges
und der Lagerung erforderliche niedrige Wassergehalt im Festbrennstoff kann bei
den Kulturen Getreide, Hanf, Gras, Miscanthus und Weiden ohne künstliche T~rocknung
durch entsprechende Ernteverfahren erreicht werden. Bei letzteren ist hierzu allerdings
eine Freilufttrocknung erforderlich. Hirse und Mais erreichen jedoch ohne künstliche
Nachtrocknung keine auch für eine längere Lagerung ausreichend niedrige Gutfeuchte.
Für die Ernte sind in der Praxis vorhandene Maschinen einsetzbar.
3. Der geringste Energieaufwand zur Produktion von Festbrennstoffen wurde
bei den Weiden festgestellt. Bei ihnen wurde das 24-fache der eingesetzten Energie
gewonnen.
Bei oberirdischem Topinamburaufwuchs, Getreideganzpflanzen, Hanf und Gras liegt
der Energieertrag im Bereich zwischen dem etwa 14- und 9-fachen des Energieaufwandes.
Bei Wintertriticale entspricht der Energiegewinn bei einem Ertrag von 130 dt TM/ha
etwa 6.000 Liter Heizöl.
4. Für die Eignung von Energiepflanzen zur Verbrennung als Festbrennstoff
in Kohlekraftwerken spielen die einen Brennstoff charakterisierenden Inhaltsstoffe,
und hier vor allem das Chlor, eine entscheidende Rolle. Die Gehalte an Chlor waren
bei den untersuchten Energiepflanzen im Durchschnitt deutlich über denen der Steinkohle.
Eine Abstufung in Bezug auf unerwünschten Chlorgehalt kann in der Reihenfolge
Waldholz, Kurzumtriebsholz, Körner (Raps, Getreide etc.) , 'Faserpflanzen' (Hanf,
Kenaf, Topinambur, Miscanthus), Getreideganzpflanzen, Getreidestroh und Süßgräser
erfolgen. Lediglich die Waldresthölzer sowie die Pappel aus Kurzumtriebs~plantagen
sind chlorärmer als Kohle. Vergleichbar mit Kohle ist der Hanfstengel. Vorteilhaft
ist der geringe Schwefelgehalt der Biomassen. Der Stickstoffgehalt ist verbrennungstechnisch
nicht problematisch. Alle Biomassen wurden auf ihre Brennstoffeigenschaften untersucht.
5. Bei der Betrachtung der Kosten für die Bereitstellung der Biomassen
wird vor allem der Einfluß des Ertragsniveaus deutlich. Beim Anbau von Wintertriticaleganzpflanzen
mit einem mittleren Ertragsniveau von 108 dt TM/ha muß bei den unterstellten Bedingungen
die Dezitonne Trockenmasse frei Kraftwerk mindestens einen Erzeugerpreis von 13
DM erbringen, um dem Landwirt einen Anreiz zur Energiepflanzenproduktion anstelle
der Stillegung zu bieten. Aus den Bereitstellungskosten resultieren für die verschiedenen
Energiepflanzen Energieträgerpreise, die bei den niedrigsten erzielten Erträgen
sowie bei der Mindestpreisstufe (Schwellenpreis Stilllegung) von 2,2 (Hanf) bis
circa 3,5 Pfennig pro Kilowattstunde (Sommertriticale, Weiden) reichen (ohne Betrachtung
des Topinambur). Die Energieträgerpreise, die über diesem Niveau liegen, könnten
ggf. mit inländischer (ca. 3,7 Pf/kWh), aber nicht mehr mit importierter Steinkohle
(1,2 Pf/kWh) konkurrieren.
6. Die Vollständigkeit
des Ausbrandes entscheidet darüber, wieviel CO (bzw. davon beeinflußt NOx)
am Ende des Verbrennungsprozeßes freigesetzt wird. Bei reiner Pappelverbrennung
genügt eine Aufmahlung auf 2,5 mm, um einen hohen Ausbrand mit den erwünschten
geringen Emissionen zu erzielen. Bei Gras reicht eine gröbere Aufmahlung von 4
- 6 mm bis zu einer Zumischung von 30% aus. Darüber hinaus sind feinere Aufmahlungen
von 1,5 mm nötig, um einen befriedigenden Ausbrand zu erreichen. Bei Getreideganzpflanzen,
die sich aus dem Korn- und Strohteil mit unterschiedlicher Energiedichte zusammensetzen,
konnte im Vorhaben die optimale Aufmahlung (= hoher Ausbrand) nicht endgültig
geklärt werden. Hierfür sind technische Möglichkeiten zu suchen, die diesen Sachverhalt
berücksichtigen.
7. Insgesamt
sind hinsichtlich der Einhaltung von Emissionsgrenzwerten nach der für Kohlekraftwerke
geltenden 13. BlmSchV bei der Mitverbrennung bzw. der reinen Verbrennung von Biomassen
in Staubfeuerungsanlagen bisher folgende Schlußfolgerungen aus den Erkenntnissen
der Verbrennungsversuche zu ziehen: Der CO-Grenzwert von 250 mg/m3
ist auch bei der Mitverbrennung von gröberer Biomasse bis zu circa 20 % Anteil
problemlos einzuhalten. Bei den NOx- und SO2-Emissionen
ist keine Erhöhung der Emissionswerte bei einer Mitverbrennung zwingend. Erstere
können durch primärseitige Maßnahmen 'In Grenzen' gehalten werden, letztere nehmen
mit zunehmendem Biomasseanteil sogar ab.
Konsequenzen für die Praxis
Aufgrund der ökonomischen Rahmenbedingungen sind speziell angebaute Energiepflanzen
keine kostengünstigere Alternative zu einheimischer, schon gar nicht zu importierter
Steinkohle. Darüber hinaus sind noch einige technische Details hinsichtlich der
Aufbereitung und Mitverbrennung zu klären, bevor die Praxisreife erreicht werden
kann. Ein landwirtschaftlicher Anbau wird vor allem von der Änderung der Rahmenbedingungen
abhängen.
Literatur
Vetter, R.; Maier, J.(1996). Production of energy crops in summerdry regions
of Southwest-Germany for solid fuel. In: Biomass for energy and the environment,
Proceedings of the 9th European Bioenergy Conference, Copenhagen.
Maier, J.; Vetter, R.; Siegle, V.; Spliethoff, H. (1997). Anbau von Energiepflanzen
Ganzpflanzengewinnung mit verschiedenen Beerntungsmethoden (ein- und mehrjährige
Pflanzenarten); Schwachholzverwertung. Abschlußbericht zum Forschungsvorhaben
(Ord.-Nr. 22-94.11), Hrsg. Ministerium Ländlicher Raum, Stuttgart.